Donnerstag, 15. September 2016

E-Books und Ich – Ein Rückblick

Als E-Books das erste Mal aufkamen, habe ich mich vehement gegen sie gewehrt. Meine Argumente basierten ausschließlich auf Gefühlen und waren wenig durchdacht.
„Es ist nicht das Gleiche,“ kam oft von mir. „Ich brauche das Gefühl von echten Papierseiten unter den Fingern. Mir fehlt der Geruch des Buches, manchmal sogar das Gewicht.“
Ein weiteres Argument war:
„Sie kosten ja sowieso nicht weniger. Und für einen Euro mehr nehme ich lieber das gedruckte Buch.“
Und dann haltlose Vorurteile: „Sie machen die Buchhandlungen kaputt.“ (Was sogar unehrlich war, denn ich habe auch damals schon sehr oft meine Bücher online bestellt.)

Irgendwann hat sich in meinem Kaufverhalten dann sehr viel geändert.
Eine Sache war, dass ich Reihen (noch bevor ich Band 1 überhaupt gelesen hatte) unbedingt komplett haben musste, weil ich Angst hatte, dass die Bücher sehr schnell out of Print gerieten und ich dann keine Chance mehr hätte, sie zu lesen.
Das war ein Mitgrund warum mein SUB ins Unermessliche wuchs und warum sich immer mehr Reihen ansammelten. (Wenn ich Band 1 nicht mochte, hab ich Band 2 meistens nicht mehr angefasst) so ging also eine Menge Geld quasi verloren.

Heute liebe ich E-Books über alles. Und ich habe dafür sogar einige Gründe, die sehr viel mehr auf vernünftigen Argumenten beruhen als meine damalige Abneigung.


Grund 1
Verfügbarkeit (Zeit)

Auch heute ist der Preis für mich nebensächlich. Ich habe nur verstanden, dass der Inhalt des Buches mehr wert ist, als Druck und Gestaltung. Außerdem arbeite ich 40 Stunden die Woche und kann mir Bücher jeder Preisklasse leisten.
Aber die Verfügbarkeit der E-Books ist für mich der wichtigste Grund.

Ich suche mir ein Buch aus (online) und muss nicht lange auf die Bestellung warten. Ich habe es innerhalb von Sekunden auf dem Gerät meiner Wahl. (Tablet, E-Reader, Handy, PC, Laptop) Ich kann sofort beginnen zu lesen. Ich verliere also nicht beim Warten die Lust auf das Buch.



Grund 2
Verfügbarkeit (OOP)

Aber auch eine andere Form der Verfügbarkeit ist mir wichtig.
Ist ein Buch out of print, habe ich mit E-Books also immer noch die Möglichkeit die Geschichte zu genießen. Sie verschwinden nicht einfach vom Markt, oder kosten plötzlich 200 Euro, weil irgendjemand mit einem gebrauchten Buch einen Haufen Geld machen will.


Beide Gründe führen dazu, dass mein SUB nicht steigt. Ich kann ein Buch nach dem anderen kaufen, weil ich 1. nicht während einer Print-Bestellung direkt mehrere Bücher kaufe um Zeit zu sparen und 2. nicht direkt ganze Reihe kaufe, weil ich Angst habe, dass sie bald out of print sind.

Beide Gründe führen auch dazu, dass ich sehr viel entspannter lese, als früher. Ich habe keine 100 Bücher, die mir im Nacken sitzen und mich daran erinnern, was ich noch vor mir habe und ich kann in Ruhe eine Reihe antesten, und sie auch nach Band 1 abbrechen, wenn sie mir nicht gefällt.


Grund 3
Platz

Ich bin 28, ich bin nicht reich und ich lebe nicht in einem Haus. Das heißt für mich – ich habe keine eigene Bibliothek und ein zusätzlicher Raum würde erst mal zum Kinderzimmer werden, bevor ich an ein Bücherzimmer denken könnte.
Ich habe eine Menge Regale und ich habe auch eine Menge Print-Bücher (viele im Keller – der ist trocken) und einige Authoren kaufe ich immer noch in der Print-Ausgabe, aber ich genieße es durchaus, dass E-Books keinen Platz wegnehmen und beim Lesen nichts wiegen.

Mit Sicherheit ist vieles davon auch rein psychologisch zu betrachten und könnte man mit Sicherheit auch anders lösen.
Aber für mich ist es zur Zeit lese technisch einfach der bessere Weg. Ein Weg mit dem ich mich einfach wohl fühle.




Zur Zeit habe ich 89 E-Books in meinem Kindle-Programm.
Davon sind Drei ungelesen.

Der Kinderdieb von Brom habe ich abgebrochen nach über 300 Seiten, weil mir das Buch absolut nicht gefiel. Ich werde es auch nicht weiter lesen.

Die Lügen des Locke Lamora von Scott Lynch bereiten mir eine schwere Zeit um ehrlich zu sein. Trotz all der vielen guten Meinungen komme ich einfach nicht richtig rein in das Buch. Und wenn ich es lese, fesselt es mich nicht genug um tatsächlich viel zu schaffen.
Ich lege es zur Seite und oft fehlt mir die Motivation es wieder zur Hand zu nehmen. Zur Zeit stagniert es bei 28%.

Titans von Victoria Scott war mein letzter E-Book Kauf und ist noch ganz frisch. Trotz (endlich vergehender) Leseflaute wird das Buch vermutlich nicht lange ungelesen auf meinem E-Book SUB herum schwirren.


Dennoch...


Auch heute noch ertappe ich mich das ein oder andere Mal bei dem Gedanken, dass E-Books eben nicht das Gleiche sind wie Print-Bücher und deswegen überlege ich, ob ich einige meiner liebsten E-Books vielleicht doch noch ins Regal stellen will.
Letztendlich hätte ich dann doppelt bezahlt, aber irgendwie bereitet mir das auch kein schlechtes Gewissen. Nur zu wählen, welche Bücher es wert sind ins Regal zu wandern und welche nicht, das wird hart.

Zur Zeit tendiere ich zu:

Rot wie das Meer von Maggie Stiefvater – weil es mein Highlight 2015 war.
Die Königin der Schatten von Erika Johansen – weil es ebenfalls ein 2015er Highlight war und ich den zweiten Band dieses Jahr direkt als Print-Ausgabe gekauft habe
Die Chronik des Eisernen Druiden – weil ich die Reihe wirklich geliebt habe und Band 5 (im Oktober) sicherlich ebenfalls als Print-Ausgabe bestellen werde
Uprooted von Naomi Novik – weil es ein Highlight 2016 war
und
die Snow Crystal Reihe von Sarah Morgan – weil es meine liebsten Weihnachtsbücher im letzten Dezember waren.

Vielleicht....



Wenn ich irgendwann im Lotto gewinne :) 

Kommentare:

  1. Bei mir war es genau so :) Erstmal wollte ich nichts mit ebooks zu tun haben, hatte Angst dass mir die Augen weh tun und fand eh Print Buecher viel besser :D Heute sehe ich auch die vielen Vorteile! Auf den Preis kommt es mir auch nicht mehr an - fuer eine gute Geschichte bin ich bereit viel zu zahlen, da schau ich kaum noch drauf. Ich lese mittlerweile wohl mehr ebooks als Buecher und das aus den von dir genannten Gruenden.. Platz & Verfuegbarkeit. Es ist einfach sehr einfach und man kann direkt mit dem Lesen anfangen.
    Ich liebe trotzdem mein Buecherregal und habe gerne Print-Buecher.
    Und irgendwann gibts die eigene Bibliothek xD

    ..nach dem Lottogewinn ;-)

    AntwortenLöschen
  2. Sowohl das Platz- als auch das sofortige Verfügbarkeitsargument bildeten auch bei mir den Hauptgrund für den in letzter Zeit erfolgten Wechsel vom Print- zum digitalen Buch. Das ein Buch out of Print war, ist mir bisher eher selten passiert - da spielen Digital Specials, die von Beginn an nur digital veröffentlicht werden, eine größere Rolle für mich. Jedoch ist dies natürlich ebenfalls äußerst praktisch. Insgesamt geht es mir also ganz ähnlich wie dir. Und solange wir das Printbuch nicht ganz vergessen, finde ich das auch völlig in Ordnung :).
    Allerdings muss ich schon sagen, dass für mich auch das Preisargument durchaus schlagend wirkt. Allerdings spielt das bei einem schmalen Studentenbudget eben auch eine größere Rolle als bei Vollzeit Arbeitenden.

    Liebe Grüße, Jasmin.

    AntwortenLöschen