Dienstag, 6. Oktober 2015

Rezension: Reckless – Das goldene Garn – Hinter den Spiegeln 3 von Cornelia Funke

Cornelia Funke
Reckless 3
Das goldene Garn
Dressler Verlag
Hardcover
480 Seiten


Einführung

Um nicht zu spoilern, spare ich mir eine Kurzbeschreibung zu dem Roman, denn alles was ich sagen würde, würde nur Dinge aus den ersten beiden Bänden vorweg nehmen.

Das Buch habe ich Anfang September zum Geburtstag bekommen und habe deswegen die ersten beiden Bände sehr schnell hintereinander weg gelesen und war begeistert.
Natürlich war ich gespannt, wie die Autorin das Thema rund um russische Märchen in ihren Roman einbringt.


Meinung

Leider bin ich deutlich weniger begeistert von Band 3 als von seinen Vorgängern.
Sprachlich gesehen ist das Buch immer noch wundervoll. Der leicht poetische Stil ist nach wie vor vorhanden, wirkt sogar etwas gereifter und ist immer noch ein Genuss es zu lesen.

Dafür sackt das Buch aber vor allem bei der Handlung enorm ab.
Anders als in Band 1 und 2, als die Handlung vor allem von Jacob getragen wurde, haben wir viel zu viele Point of View Charaktere. Da die Kapitel sehr sehr kurz sind, kommen die vielfältigen Ideen und Gedanken absolut nicht zum Tragen.
Sobald man sich in eine Situation, oder in ein Setting vertieft hat, endet das Kapitel auch schon und man bekommt etwas Neues vorgesetzt. Das schmälert den Lesegenuss, da der Lesefluss ständig wieder zerrissen wird.

Auch die Charaktere machen keine Entwicklung mehr durch. Fuchs und Jacob kennen nur noch ein einziges Thema, das bis zum Erbrechen platt gewälzt wurde und die anderen Figuren stagnieren oder entwickeln sich rückwärts.
Auch wenn es mich jetzt nicht ganz so sehr gestört hat hinterlässt das schon einen etwas bitteren Nachgeschmack.

'Oh, nein, Fuchs gehört nur sich selbst.' Er hatte ihn eingeladen, sie zu stehlen! Hier, nimm dir mein Herz, ich brauche es nicht.“ S.328

Dazu kommt, dass das ganze Buch eher wie eine Einleitung zu etwas viel Größerem wirkt. Denn im Grunde geschieht nichts. Die Helden reisen, sie reisen und reisen. Dann machen sie kurz Halt, dann reisen sie wieder.
Es gibt keinen Fortschritt bei all den vielen Problemen. Generell sind es sowieso viel zu viele Schwierigkeiten und Handlungsansätze zur gleichen Zeit.

Es wirkt, als habe sich die Autorin ein wenig verfranzt und wisse nicht mehr, wie sie das ganze auflösen soll. Sowieso scheint keinerlei Lösung in Sicht. Nicht mal ein Lösungsansatz.

In dieser Hinsicht wundert es mich nicht, dass der UK-Verlag die Autorin gebeten hat das Buch etwas abzuändern.
Leider hat sich die Autorin stattdessen entschieden einen eigenen Verlag in England zu gründen um das Buch so drucken zu lassen, wie sie es für richtig hielt.
Natürlich weiß man nicht, welche Veränderungen der Verlag gewünscht hatte, aber neugierig wäre ich schon.

Das Ende jedoch konnte mich wieder ein bisschen besänftigen. Hier und da gab es Vorkommnisse, die mich emotional berührt haben und enden mit einer Prämisse, die für weitere Bände sicherlich gut geeignet ist.
Auch wenn mir Band 3 nicht wirklich gefiel, bin ich neugierig genug um weiteren Bänden eine Chance zu geben.
Die ersten Bände haben mir ja gezeigt, dass es möglich ist, mir eine wunderbare Welt hinter den Spiegeln zu präsentieren. Vielleicht findet Frau Funke ja zu ihrer Form zurück.

Fazit

Alles in Allem eher enttäuschend. Sprachlich immer noch kunstvoll. Die Aufmachung ist einfach unübertroffen prächtig, aber Handlung und Charakterentwicklung stagnieren. Selten kommt Spannung auf. Nur das Ende macht doch wieder Lust auf mehr.

Ich hoffe der Band war nur ein Ausrutscher.  

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