Mittwoch, 23. September 2015

Rezension: Reckless – Lebendige Schatten – Hinter dem Spiegel 2 von Cornelia Funke

Reckless 2
Lebendige Schatten
Cornelia Funke
Dressler
418 Seiten
E-Book

Kurzbeschreibung
(Spoiler zu Teil 1)

Jacob ist mit einem Feenfluch gezeichnet, der das Leben seines Bruders gerettet hat. Die Motte aber über seiner Brust zerstört sein Herz.
Um sein Leben zu retten muss er sich erneut, nur mit Fuchs an seiner Seite, in ein neues Abenteuer wagen und sich neuen Gegenspielern stellen.
Doch die Zeit wird knapp.


Einführung

Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich Band 2 lieber mochte, als den ersten. Oder ob ich sie beide einfach nur auf die gleiche Weise liebe.
Band 2 wirkt alles in Allem etwas stringenter im Aufbau, aber mir fehlen, die vielen liebevollen Nebensächlichkeiten. Dennoch ist das Buch voller Magie, Atmosphäre, poetischer Sprache und wunderbaren Charakteren.

„'Was?' Fuchs' Stimme brach, als säße ihr die Wahrheit wie ein Splitter in der Kehle. […] 'Zusammen', sagte sie. 'War das nicht der Plan? Lüg' mich nie wieder an. Ich bin es leid.'“ S. 126


Meinung

Jacob ist nach wie vor ein interessanter und liebenswerter Charakter, mit dem ich mitleide, mitfieber und mit dem ich mich durchaus identifizieren kann.
Aber Fuchs ist das Figuren-Highlight des Buches. Eine so sanfte, herzliche Figur, die man einfach nur ganz fest an sich drücken und beschützen möchte.


„Wir tragen die Vergangenheit auf der Haut, aber die Zukunft ist zu laut, um sie zu ignorieren. Das, was war, und das, was sein wird. Das, was verloren geht, und das, was gewonnen wird...“ S. 143

Aber auch die Nebenfiguren sind zauberhaft abwechslungsreich, mal sympatisch, mal unsympathisch gestaltet. Aber sie alle tragen zur Geschichte bei.

„Dunbar schlug eine Taste an. Fuchs hörte die Traurigkeit der ganzen Welt in dem Tom. Es war keine gute Nacht.“ S. 143

Plottechnisch ist das Buch – ebenso wie Teil eins – nicht besonders innovativ, denn auch hier haben wir eine klassische Abenteurer-Quest vorliegen – dennoch war die Geschichte spannend und atmosphärisch und daher leicht und angenehm zu lesen.

„Rede, Fuchs. Dunbar glaubte an Worte. Er lebte in ihnen, aber die Motte der Fee fraß Jacobs Herz, und es gab keine Worte, die das verhindern würden.“ S. 143

Stilistisch gesehen war das Buch im Übrigen wieder ein absolutes Highlight.
Cornelia Funke kann mit Worten zaubern. Sie findet immer wieder das richtige Maß, gleitet nie von der Poesie ihrer Sprache in allgemeinen Kitsch ab.

„Aber der Wind und die Winter hatten die Menschen gemacht.“ S. 198

So wohl ihre Dialoge, als auch ihre Beschreibungen sind lebendig, glaubwürdig und nie gestellt.
Das Buch war ein Genuss.
Band 2 bietet an sich ein abgeschlossenes Ende, lässt aber einige Fäden und Geheimnisse offen, an die eine Fortsetzung problemlos anknüpfen kann.

„Man zahlte mit zu viel Schmerz für den Luxus, zu lieben.“ S. 193

Fazit

Ich bin wirklich froh, die Reihe entdeckt zu haben und auch Band drei wird nicht mehr lange darauf warten müssen gelesen zu werden.
Hier stimmt einfach alles. Figuren, Sprache, Geschichte und Atmosphäre. Gerade für Jüngere absolut zu empfehlen.

Und ein letztes:


„'Nach nur hundert Jahren sind die anderen durchschaubar geworden wie Glas. Jede Tugend, jedes Laster, jede Schwäche... nichts als endlose Wiederholungen. Jede Begierde, tausendmal gelebt, jede Illusion mehr als hundertmal verloren, alle Hoffnung kindisch, alle Unschuld ein Scherz...' Er hob den Degen. 'Was bleibt ist der Tod[...]'“ S. 305

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