Dienstag, 4. August 2015

Kurz-Rezension: Der Ozean am Ende der Straße von Neil Gaiman

Ich muss zugeben, dass ich von Neil Gaiman bisher nur eine Graphic Novel gelesen habe. Präludien und Nocturni aus dem Sandman-Zyklus.
Außerdem habe ich ein Buch gelesen, dass er in Zusammenarbeit mit Terry Pratchett geschrieben hat. „Ein gutes Omen.“
In diesem Buch war vor allem Pratchetts alt bekannter Stil vorherrschend. Jetzt war ich natürlich neugierig auf Neil Gaimans Romanstil. Und da ich mich nicht entscheiden konnte sofort mit „American Gods“ zu beginnen, habe ich mich entschieden dieses schmalere Büchlein als erstes zu lesen.



Das Cover ist einfach wunderschön. Die melancholischen Blautöne und der angedeutete Ozean im Hintergrund spiegeln perfekt die Atmosphäre und den Inhalt des Buches.

Ich habe mit der Leseprobe begonnen und das Buch zog mich direkt in seinen Bann.
Alles in Allem las sich das Buch ein wenig wie der Film Pan's Labyrinth.
Der Roman wird aus der Perspektive eines älteren Herren erzählt, der aus seiner Kindheit berichtet.
Zur Zeit der Haupthandlung ist der Protagonist sieben Jahre alt.
Neil Gaiman erzählt geheimnisvoll und unbeschönt. Er gibt seinem Erzähler-Ich Ecken und Kanten, Gedanken, Träume und Sorgen.

Die Handlung spielt in seinem Heimatdorf und flechtet immer wieder Situationen und Gegebenheiten ein, die wie eine mystische Fantasywelt wirken. Mit Gefahren und Abenteuern. Anders als Pan's Labyrinth erinnert die Geschichte nicht an eine Flucht aus der Realtität um Missbrauch und Krieg zu entkommen, sondern an die Träume und Fantasien eines siebenjährigen Kindes. Dennoch deutet das Ende darauf hin, dass der Protagonist mit dieser Erzählung ein bestimmtes Trauma überwinden will.
Fantasie und Wirklichkeit verschwimmt und es ist bis zum Ende nicht ganz klar, was Realität und was beginnende Alltagsflucht ist.

Die „Abenteuer“ an sich wirken fast kindgerecht und sind nicht überdramatisiert oder grausam. Stilistisch entwickelt das Buch einen Sog, auch wenn die Erzählung an sich seicht ist.
Gaiman findet die richtigen Worte um eine schöne, ruhige, geheimnisvolle Atmosphäre herzustellen und nimmt den Leser gefangen.
Alles in Allem hatte ich mit mehr Tiefgang gerechnet, war aber grundsätzlich mit dem Buch zufrieden. Auch das relativ offen gehaltene Ende konnte mich überzeugen und passte zum Buch.
Durchaus empfehlenswert.


Ich werde wohl in Kürze auch American Gods eine Chance geben und bin gespannt wie Gaiman einen längeren Roman für Erwachsene konzipiert.  

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