Freitag, 17. Juli 2015

Kurz-Rezension: Still von Zoran Drvenkar

Ich habe in letzter Zeit wieder sehr viel Fantasy gelesen und hatte daher das Bedürfnis nach einem ruhigen, atmosphärischen Thriller.

Still
Zoran Drvenkar



Vor allem die ersten zwei Drittel des Buches konnten mir genau das bieten.
Ich war entsetzt, sprachlos, mitgenommen und das Thema ging mir sehr an die Nieren. Ich war versucht dem Buch die Höchstwertung zu geben und es dennoch niemandem zu empfehlen. Das so ernste Thema rund im Kindesmissbrauch wurde mit so melancholischen Worten beschrieben, alles wirkte geheimnisvoll, mystisch. Der Kontrast zwischen der Ernsthaftigkeit des Themas und des atmosphärischen, fast schon poetischen Stils hat dem Buch etwas Grausames gegeben.

Die drei Perspektiven – Ich, Du und Sie, waren perfekt gewählt und zu Anfang wusste ich nicht so genau worauf es hinaus laufen sollte.
Der Protagonist ist zwar ein sehr kaputter Mensch - ist aber nachvollziehbar beschrieben und im Grunde auf Grund seines Handels auch sehr symphatisch. Ich konnte seine Angst, seinen Ekel, seine Selbstzweifel und seine Schuld sehr gut verstehen. Er hat einen so richtig in den Sog seines Lebens hinein gezogen. 
Außerdem wirkte das Buch sehr gut rescherschiert. Die Abläufe kamen mir glaubwürdig und realistisch vor.

Leider hatte ich relativ schnell den Bogen raus, daher wirkte der Rest des Buches nicht allzu überraschend und das Ende hat mir absolut nicht gefallen.
Ich hasse es, wenn dann die Auflösung so plötzlich kommt, der Protagonist – egal was er tut – keine Chance hat etwas richtig zu machen und das Ende irgendwie in der Luft hängt. Soll wohl spannend und künstlerisch wirken, war für mich aber nur das typische, hilflose Ende eines Thrillers. Ich hatte nach dem guten Beginn wirklich auf etwas mehr Kreativität gehofft.

Alles in Allem aber ein lesenswertes Buch, vor allem was den künstlerischen Aspekt betrifft.
Sollte aber nur von Menschen gelesen werden, die relativ hart im Nehmen sind, wenn es um das Thema Kindesmissbrauch geht.
Noch mal, würde ich vermutlich nicht danach greifen.

Dadurch also nur 4 Sterne

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