Montag, 8. Juni 2015

Rezension: Der verlorene Thron – Part 1 von Brian Staveley

… oder auch „Nein, nein, nein und nochmals nein“

Der verlorene Thron
Brian Staveley
Heyne (14. April 2015)
OT: The Emperor's Blades – Chronicles of the unhewn Throne Book 1
ISBN: 978-3453316614
Broschiert
752 Seiten
14,99 Euro

Kurzbeschreibung
(Heyne)

Als der Kaiser von Annur heimtückisch ermordet wird, geht die Verantwortung für das Reich auf seine drei Kinder über. Seit über acht Jahren haben sich die Geschwister nicht mehr gesehen, denn für jeden von ihnen ist ein anderes Schicksal vorherbestimm: Kaden, der Thronerbe, wird in einem Bergkloster, fernab vom Zugriff seiner Feinde, darauf vorbereitet zu herrschen. Valyn wird auf einer abgelegenen Insel zum Elitekrieger ausgebildet und Adare ist die oberste Ministerin am Kaiserhof. Entschlossen, den Tod ihres Vaters zu sühnen, machen sich die drei auf die Suche nach dem Täter, nichts ahnen, dass der Mord am Kaiser erst der Beginn einer gewaltigen Intrige ist, die Annur in seinen Grundfesten erschüttern wird.

Zum Buch

Vorneweg, die Kurzbeschreibung des Verlags ist absolut irreführend. Ja, Kaden wird in einem Bergkloster ausgebildet, ja, Valyn wird ein Kettral, ein Elitekrieger und ja, Adare ist tatsächlich Ministerin, doch außer Adare wissen die Kinder nichts vom Tod des Vaters und sie machen sich auch nicht auf die Suche nach dem Täter.

Der ganze Roman liest sich wie eine ellenlange Einleitung. Der Leser begleitet vor allem Valyn und Kaden durch einige Stadien ihrer Ausbildung. Adare sind nur drei ganze Kapitel gewidmet, also erfährt man von ihr so gut wie nichts.
Dass es eine Intrige gibt/gab ist dem Leser bewusst, später auch Valyn, aber so richtig in den Vordergrund vermag sie nicht zu treten.
Eine richtige verschachtelte Handlung, rund um Mord, Politik und Familiengeschehen erwartet man leider zu unrecht. 

Meine Meinung

Ursprünglich wollte ich einen deftigen Verriss schreiben. Ungeordnet, viel Gemecker, viel Geschreie, vermutlich auch eine eher weniger entzückende Umgangssprache.
Stattdessen versuche ich die vielen, vielen – viel zu vielen – negativen Aspekte des Buches ein bisschen geordneter wieder zu geben.
Damit es nicht zu Missverständnissen kommt: Ja, mir ist bewusst, dass im Netz viele sehr positive Rezensionen kursieren, aber ich denke, jeder hat einen anderen Geschmack. Wir fünf Leser der Leserunde sind uns bis auf eine Ausnahme aber recht einig, dass das Buch für uns ein absoluter Megaflop gewesen ist und wir definitiv auf die Fortsetzung verzichten können.

1. Die Charaktere

Sind allesamt flach, klischeeüberladen und spannungsarm.

Von Adare erfahren wir nicht viel, aber sie wäre definitiv der Handlungsstrang mit dem meisten Potential gewesen. Leider benimmt sich die gute Damen, eben nicht wie die gebildete, starke Frau, als die der Autor sie gerne hinstellt, sondern wie ein jammerndes, weinerliches, selbstmitleidiges und zu allererst unbeherrschtes Kleinkind.
Sie, wie ihre Brüder auch, neigt zu dummen Entscheidungen und willkürlichem Verhalten.

Kaden ist zumindest sympatisch, auch wenn er durchgehend recht gesichtslos bleibt. Leider
scheint er in all den Jahren seiner Ausbildung nichts gelernt zu haben und es ist recht unglaubwürdig, dass er erst jetzt die richtigen Fragen stellt. Er, wie auch sein Bruder, bleibt sehr passiv und wirkt fast immer sehr naiv. Trotzdem habe ich seine Passagen, so unglaubwürdig sie auch waren, am liebsten gelesen.

Valyn. Ja, Valyn. Sein Handlungsstrang nimmt den meisten Platz ein in diesem Buch. Ihn habe ich von allen Protagonisten am meisten gehasst und verachtet. Er ist alles andere als ein Elitekrieger und Anführer. Beides wird gerne immer wieder erwähnt. Gezeigt wird aber ein ganz anderer Charakter. Valyns Stumpfsinn ist kaum zu überbieten. Er handelt ohne Nachzudenken oder dumm. Er leidet unter Paranoia und selbstgerechten Anwandlungen. Er denkt mit seinem Schw*nz. Das tun übrigens alle in dem Buch. Und auch er bleibt passiv.
Vor allem gegen Ende trifft er eine Entscheidung, die mich als Leser nur den Kopf schütteln lies.

Die Charaktere an sich sind schlecht gezeichnet. Alle weiblichen Nebenfiguren sind heiße Feger, mit geilen Kurven und irgendwelchen dollen Fähigkeiten. Alle männlichen Charaktere werden nicht näher beschrieben. Außer dass bei einem Fetzen nackter Haut ihr Denken aussetzt.
Die Antagonisten sind so innovativ, glaubwürdig und facettenreich gestaltet wie verbrannter Toast.

2. Die Sache mit der Glaubwürdigkeit

Sowohl in Kadens Ausbildung, als auch in Valyns Werdegang geschehen Dinge, die einfach nur lächerlich anmuten. Gerade wenn ich Fantasy lese, ist meine Hemmschwelle beim Sense of Believe sehr hoch. Es ist Fantasy, da darf die Glaubwürdigkeit gerne gebeugt werden. Gebeugt, aber nicht gebogen und gebrochen. In diesem Fall gab es Szenen, die nicht einmal mit Magie noch zu erklären gewesen wären
Ich war mir oft nicht sicher, ob ich lachen oder weinen sollte.

3. Show, don't tell

Fast jeder Schreiberling hat mal etwas von dieser Phrase gehört. Eine in meinen Augen sehr wichtige Einstellung. Leider scheint der Autor davon nicht allzu viel zu halten. Er erzählt dem Leser immer wieder wie dieser oder jener Charakter ist, das was er dann letztendlich zeigt ist sowieso schon wenig und widerspricht dem Ganzen dann auch noch.
Generell hat der Autor bisweilen einen eher merkwürdigen Stil. Einige Vergleiche wirken holprig, einige Metaphern wirken überzogen und ein paar Beschreibungen sind nicht ganz authentisch.

4. Vorhersehbarkeit

Da wir gemeinsam in einer Leserunde gelesen haben, kann man sehr einfach nachvollziehen, dass wir viele „Plottwists“ und viele „Charakterentwicklungen“ ganz einfach vorhersehen konnten. So blieb das Buch recht spannungsarm und konnte uns wenig bis gar nicht überraschen.
Was ich mir vorstellen kann ist, dass das Buch für Leute, die recht wenig lesen sicher noch einiges zu bieten hat, für Vielleser aber recht dürftig erscheinen dürfte.
Vor allem im Hinblick auf die unfassbare Intrige (Achtung Ironie) konnte mich der Autor absolut nicht überraschen.

Daher mein Fazit

„Für alle Fans von Game of Thrones“ - wie es so schön auf dem Klappentext heißt - lest das Buch lieber nicht. Das Genre hat deutlich Besseres zu bieten.
Für mich war der Anfang des Buches (die ersten 150 Seiten) noch irgendwie unterhaltsam und flüssig zu lesen, der Rest des Buch aber eine ausgewachsene Katastrophe.
Die Folgebände werden mein Regal sicherlich nicht schmücken. Auch wenn man sagen muss, dass das deutsche Cover durchaus ansehbar ist.  

Kommentare:

  1. Ich hab das Buch auf dem SuB, aber noch nicht gelesen, daher habe ich noch keine eigene Meinung dazu.
    Auf jeden Fall habe ich mich köstlich amüsiert über diese Rezi (Toast... *kicher*). Wenn mir das Buch auch nicht gefallen sollte, so hab ich wenigstens eine gute Erinnerung an diese Kritik :-)

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    1. :D Freut mich, dass sie dir gefallen hat. Ich bin gespannt, was du zu dem Buch sagen wirst. Sag Bescheid, ja? :) Ich würde mich freuen.

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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