Freitag, 26. Juni 2015

Rezension: Das Horn von Valere – Das Rad der Zeit 4 von Robert Jordan

Das Horn von Valere
Robert Jordan
Piper Taschenbuch (1. August 2004)
Taschenbuch
OT: The Great Hunt (Part 2)
496 Seiten
10,99 Euro

Auf Grund von Spoilergefahr zu den ersten 3 Bänden, werde ich keine Kurzbeschreibung abgeben.
Trotzdem kann es auch innerhalb der Rezension zu leichten Spoilern kommen.

Allgemeines

Gekauft habe ich das Buch im März 2010. Die ersten beiden Bände (im Original der erste Band) haben mir ja noch ganz gefallen. Im Grunde klassische Quest-Fantasy mit epischem Hintergrund. Träume, Prophezeiungen, verlorenes Wissen und und und.
Aber irgendwie konnte mich der vierte Band beim Lesen absolut nicht mehr überzeugen. Es ist immer noch sehr klassisch, aber weder konnte ich mich mit den Begebenheiten, noch den Settings, noch den Charakteren so richtig anfreunden.

Pacing

Das größe Problem was ich bei diesem Buch sehe ist, dass 400 Seiten lang einfach nichts passiert. Am Anfang des Buches befinden wir uns noch in Cairhien. Dort wird das Große Spiel gespielt und Rand versucht sich verzweifelt da heraus zu halten. Leider sind die Geschehnisse in dieser Stadt für den weiteren Verlauf nur bedingt wichtig.
Viele Szenen wirken einfach nur wie Lückenfüller und tragen meiner Meinung nach nicht wirklich etwas zum Plot bei.

Danach reisen die Helden im Grunde nur noch von Ort zu Ort. Hat man sich gerade an das Ogier-Stedding gewöhnt, ist man schon wieder an den Portalsteinen, hat man sich an die gewöhnt sind plötzlich drei Monate vergangen und wir befinden uns an den Toman-Halbinseln. Da reisen die Helden dann auch von Dorf zu Dorf, erhalten ab und zu mal eine Erkenntnis, oder Rand hat wieder böse Visionen, aber im Grunde passiert auch da nicht viel.
Bis die Helden in Falme ankommen, dem Ort des großen Showdowns, war das Buch schon fast vorbei.

Das gleiche gilt im Übrigen auch für die weiblichen Charaktere. Ich hätte gerne mehr über Egwene erfahren und ihre Aes Sedai Ausbildung in Tar Valon. Ich hatte mich gerade also halbwegs eingelebt, da mussten die Mädels auch schon wieder weg.
Dann dachte ich, als Egwene gefangen genommen wird, dass die Szenerie bei den Seanchan sicher sehr spannend sein könnte, viel Potential für Drama und Schmerz und Neuerungen. Leider wurde auch das viel zu schnell abgehandelt und aus Egwenes Sicht viel zu wenig erzählt, so dass ich an keiner Stelle emotional eingebunden gewesen bin.
Ganz im Gegenteil, ich fühlte mich mehr oder weniger vollkommen unbeteiligt... wie bei einer Aufzählung – und dann... und dann... und dann...

Nach 400 Seiten – das Buch war fast zu Ende – kommt es dann zur endlos angekündigten – angeblich so super epischen Schlacht. Ich hatte mir das Ganze etwas Globaler vorgestellt, oder eben epischer, größer, mit mehr Leid und allem was Krieg so mit sich bringt. Stattdessen wird das Horn geblasen, ein paar Armeen kämpfen um Falme und Rand allein besiegt in einem Duell den Vater der Lügen. 10 Seiten und alles war vorbei. Es war zum Gähnen langweilig.
Und statt dass dann ein ordentlicher Epilog geschrieben wurde, darf man sich als Leser noch anschauen, welche (hundert) Frauen alle auf Rand stehen und ihn unbedingt heiraten wollen. WTF. Wieso denn ausgerechnet Mr. Jammer, Jammer, Selbstmitleid, ich will doch nur nach Hause-Rand?

Charaktere

Generell habe ich wenig Verständnis für die Charaktere. Figuren wie Perrin oder Mat, oder meinet Wegen sogar Hurin und Loial bergen Potential. Sie sind besonders, jeder für sich, werden aber die ganze Zeit sehr stiefmütterlich behandelt.
Stattdessen steht der Ta'veren Rand im Vordergrund. Ein Kerl, der aus welchen Gründen auch immer der Auserwählte ist, der vor allem eines gut kann. Jammern und im Selbstmitleid baden. Statt dass er endlich sein Schicksal annimmt, stellt er sich blind und taub und gibt anderen die Schuld.
Ich habe ihn regelrecht gehasst.
So ein gesichtsloser Jammerlappen. Meine Güte, dass Mat zwischendurch sauer wird auf diesen scheinheiligen Bastard kann ich gut verstehen.

An anderen Stellen – Ingtar – werden Charakter-Entwicklungen angedeutet, die durchaus Potential gehabt hätten. Leider waren die Andeutungen so dermaßen deutlich, dass man nach wenigen Seiten im Grunde schon wusste, worauf das Ganze hinaus laufen würde.

Die Mädels scheinen sowieso alle nur eines im Kopf zu haben. Nämlich „Wer wird Rand heiraten“. Als gäbe es nichts wichtigeres.

Fazit

Sowohl das Setting, als auch einige der Charaktere, ganz zu Schweigen von der ganzen Plotline haben durchaus Potential, leider wird es durch den schnellen Wechsel der Szenen einfach nicht ausgeschöpft. Das Schicksal der Figuren lässt mich kalt und der Showdown war enttäuschend.

Um ehrlich zu sein bin ich mir nicht sicher, ob ich die Reihe wirklich bis zum bitteren Ende verfolgen will. Der einzige Grund, der dafür spricht ist, dass die letzten Bände von Brandon Sanderson geschrieben worden sind. Aber ob mir das als Grund ausreicht, mich durch gefühlt hundert Bände zu quälen? Ich weiß ja nicht.  

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