Montag, 2. März 2015

Rezension: Drachenprinz – Die Feuerreiter Seiner Majestät 2 von Naomi Novik

Drachenprinz
Naomi Novik
Blanvalet (Juli 2007)
Taschenbuch
ISBN:_978-3442244447
Originaltitel: Temeraire Trilogy: Throne of Jade
544 Seiten
8,95 Euro

Kurzbeschreibung
Amazon

Kaum haben Captain Will Laurence und sein gewaltiger Drache Temeraire ihre erste Bewährungsprobe bestanden, da erscheint eine chinesische Delegation am britischen Königshof und fordert die Rückgabe Temeraires. Als Laurence sich weigert, muss er seinen geliebten Gefährten in den fernen Osten begleiten – ohne zu ahnen, was ihn und Temeraire am Ende ihrer langen, gefahrvollen Reise erwartet.

Allgemeines

Ich habe den ersten Band der Reihe vor bestimmt knapp sechs Jahren gelesen und habe dann Band 2-4 gleich dazu gekauft, aber trotzdem nie gelesen. Ich denke, dieser Band gehört zu einem der Bücher, die am längsten auf meinem SUB stehen.
Bemerkenswert ist, dass mir Band Eins damals sogar richtig gefallen hat. Gegen Ende hat es sogar eine Szene gegeben, bei der ich ganz bitterlich geweint habe. Ich kann also gar nicht so genau sagen, wieso der nächste Band so lange gesubbt hat. Und – zu meinem Glück kann ich sagen, dass er mir sogar besser gefallen hat, als der erste Band.

Aufbau

Ich empfand ja schon den Aufbau rund um das englische Drachenkorps sehr spannend. Immerhin befinden wir uns in einer fiktiven Welt, die unserer sehr ähnlich ist und 1806 spielt, zu einer Zeit, in der England mit Napoleon im Krieg lag. Drachen sind zwar eher selten, aber keine absolute Besonderheit mehr. Daher ist der grundsätzliche Aufbau der Reihe schon durchaus lesenswert.
Aber vor allem die Beschreibungen der zweiten Hälfte rund um das Leben, die Kultur und die ganzen Unterschiede in China haben mich absolut gefesselt und mitgerissen.
Es war eine ganze neue, bunte, faszinierende Welt zu entdecken und am Liebsten hätte ich mich Temeraire angeschlossen und China nie wieder verlassen.
Obwohl fremd habe ich mich in dieses fiktive China sehr verliebt. Ich fühlte mich sofort wie Zuhause.
Während in England die Drachen vor allem als Waffen gehalten werden und annähernd wie Tiere, leben die Chinesen Seite an Seite und fast gleichberechtigt mit ihren Drachen. Die Unterkünfte sind wahnsinnig schön, der Bildungsstand höher, hach... kurz gesagt, der Weltenaufbau wurde erweitert und konnte mich mehr als begeistern.

Die Charaktere

Natürlich war das Buch weitesgehend auch wieder recht politisch, auch wenn dieses Thema nahezu in den Hintergrund rückte, weil mein Augenmerk definitiv auf der fremden Kultur lag.
Laurence, der Protagonist, im ersten Teil noch typisch britisch, mit Stock im Hintern, Vorurteilen und einer gewissen unerwichlichen Strenge, mausert sich.
Noch immer ist er sehr auf standesgemäßes Auftreten bedacht und seinen englischen Patriotismus kann er einfach nicht ablegen, manchmal ist er noch immer engstirnig und zeitweise zu stur, dennoch wirkt er sehr viel sympatischer. Er liebt Temeraire, kümmert sich um die Ausbildung seiner ihm unterstellten Flieger, bemüht sich um Lockerheit und Entspannung und war mir daher im zweiten Band sehr viel näher, als noch im Auftakt.

Temeraire ist lieb, so so so lieb. Und so sanft und geduldig, und klug und vor allem neugierig. Außerdem wird er immer selbstsicherer und selbstbewusster und trifft immer mehr seine eigenen Entscheidungen. Er wirkt wie ein großes Kind, das langsam erwachsen wird.
Er lernt endlich seine Familie kennen und gerade das führt zu einigem Konfliktpotential zwischen ihm und Laurence, aber auch zu vielen Emotionen und rührenden Szenen.
So manches Mal habe ich arg geschluckt.

Viele andere Figuren sind nur Randerscheinungen, die mit kurzen Pinselstrichen skizziert sind, die mal sympatisch, mal abstoßend wirken, aber die immerhin genug Charakter haben um eine eigene Persönlichkeit zu besitzen. Wenn auch einfacher gehalten, habe ich doch niemanden verwechselt.

Meine liebsten Szenen sind dann doch die zwischen den Drachen.

Das Ende

war vielleicht ein wenig vorhersehbar, vielleicht auch ein bisschen zu abrupt und kurz gehalten, aber hat mich dennoch zufrieden zurück gelassen.
Die Lösung des Problems war merkwürdig einfach und hat mich eher schmunzeln lassen. Aber gerade dass das ganze dann doch ohne riesiges Drama gelöst wurde hat mir gut gefallen und hat sich vor allem gut in den Rest der Geschichte eingefügt.

Fazit

Ein Buch, das mich bemerkenswert gut unterhalten und stellenweise sogar fasziniert hat. Eine Welt, in denen Drachen nicht unbedingt eine riesige Besonderheit sind und außerdem eine Welt, die nicht mit einem mittelalterlichen Setting aufwartet.
Und ich muss zugeben, dass ich mich plötzlich zu einer Fanfiction inspiriert sah, was ich dann aber sehr schnell wieder verdrängt habe. Ich hoffte doch, aus diesem Alter endlich raus zu sein.
fangirl-modus-off


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen