Dienstag, 24. März 2015

Rezension: Die große Jagd – Das Rad der Zeit 3 von Robert Jordan

Die große Jagd
Robert Jordan
Piper Taschenbuch (August 1993)
Taschenbuch
Orginaltitel: The Great Hunt
ISBN 13: 978-3492285537
560 Seiten
10,99 Euro

Kurzbeschreibung
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"Das Horn von Valere, dessen Klang die toten Helden zum Leben erwecken kann, ist gestohlen worden. Rand al'Thor muss es wiederfinden, denn nur mit diesem Instrument ist er in der Lage, den Dunklen König in der Letzten Schlacht zu besiegen. Wird Rand seine magischen Kräfte einsetzen, um es zurück zu holen, und damit seinen Schwur brechen?"

Allgemeines

Die ersten beiden Bände gefielen mir ja wider Erwarten eigentlich ganz gut. Auch wenn mir im Rückblick das Ende in der Fäule ein wenig zu durcheinander und undurchsichtig erschien. Ich habe dann (ja, tatsächlich) vor Jahren mal während eines Lesemarathons mit dem dritten Band angefangen und 100 Seiten davon gelesen, aber danach auch recht schnell die Luft verloren. Jetzt habe ich mich endlich wieder daran gewagt und kann immer noch nur sagen, dass es ein sehr durchschnittliches Buch ist, mit wenigen Höhepunkten und viel zu viel Quest-Fantasy.

Aufbau

Der Beginn des Buches spielt sich auf engerem Rahmen ab, alle Figuren befinden sich gemeinsam in einer Burg. Obwohl ich zunächst diese Stelle als eher langweilig empfunden habe, muss ich nach Beenden des Buches leider sagen, dass die Szenen in der Burg eigentlich immer noch interessanter waren, als die letztendliche titelgebende Große Jagd.
Innerhalb der Burg wechseln die Perspektiven und man bekommt vor allem sehr viele politische Szenen, die sich rund um die magischen Frauen der Aes Sedai drehen. So richtig sympatisch ist mir außer der Behüter Lan noch immer keine der Personen, und so richtig richtig spannend wird es auch hier nicht.
Es handelt sich vor allem um Rand Versuche zu fliehen und seine Zweifel und letztendlich dann eben darum nicht zu fliehen.

Später wird das Horn gestohlen. Anders als im Klappentext versprochen geschieht das erst sehr viel später im Buch. Alles was danach geschieht ist ein endloses Herum-Gereise von A nach B, wieder nach A und irgendwann dann nach C oder sonst wohin.
Ein paar Szenen waren ganz interessant zu lesen, aber so richtig packend konnte mich keine von ihnen.

Die Mädchen stattdessen sind auf dem Weg zur weißen Burg um sich zu Aes Sedai ausbilden zu lassen. Leider erfährt man darüber bisher extrem wenig.
Ich weiß, dass es sich in dieser deutschen Auflage um gesplittete Bände handelt und daher vielleicht im nächsten Teil etwas näher darauf eingegangen wird. Aber ich wage es zu bezweifeln. Vor allem würde ich vor allem über Egwenes Ausbildung und Novizentum gerne mehr erfahren. Denn sie ist der einzige weibliche Charakter, der mir dann doch irgendwie ans Herz wachsen konnte.

Die Charaktere

sind sowieso ein kleines Problem. In den ersten beiden Bänden mochte ich Rand ja noch ganz gerne, aber seine ewigen Zweifeln, sein ständiges Hadern mit seinem Schicksal, seine Weigerung die Macht zu gebrauchen – irgendwann ging mir das allzu sehr auf die Nerven. Ich wünsche mir langsam mal wieder einen Helden, der hingeht, heraus findet dass er der prophezeite Retter ist, oder was auch immer und fröhlich ruft: „Okay, geil, let's go!“
Vermutlich eine Hoffnung, die enttäuscht wird.
Vor allem, wenn dann noch so eine Überschönheit als Nebenfigur eingeführt wird, und Rand der zuvor noch Egwene nachgeweint hat, in jeder Szene anfängt zu sabbern. Mein Gott.

Nineave ist mir immer noch suspekt. Sie ist zickig, launisch, dann wieder kindisch verliebt, dann wieder rachsüchtig. Ich weiß nicht, ob sie überhaupt sympatische Seiten hat. Manchmal frage ich mich sogar, ob sie vielleicht doch schon von Lan schwanger ist, oder einfach in einer Dauerphase des Prae-Menstrualen-Syndroms gefangen ist.
Aber vielleicht muss sie das sein. Vielleicht soll sie später zu einer Antagonistin werden. Eine der schwarzen Schwestern oder so. Dann fände ich das sogar richtig gut.

Egwene dagegen ist ruhiger geworden, gesitteter, vielleicht ein wenig zu gutgläubig und naiv, aber ansonsten mehr als nur erträglich. Ich finde sie sogar ganz nett. (Nett, im Sinne von wirklich nett.)

Mat nervt ebenfalls immer noch mit seiner Sturheit und seinem Unwillen zu Verzeihen. Er ist genauso launisch, zickig und nervig, wie die Weiber.

Von Perrin, der wohl immer noch mein Liebling ist erfährt man leider nur sehr wenig. Aber die eine Szene, die man ihm zugesteht, das war meine absolute Lieblingsszene. Die war klasse, mitreißend und ich wünschte mir ich hätte mehr über seine Form der „Magie“ erfahren dürfen.

Die Antagonisten sind irgendwie immer noch flach und kaum greifbar. Aber vielleicht sollte ich Band 4 in nächster Zeit mal lesen (der steht noch auf dem SUB) um mir einen umfassenderen Eindruck zu besorgen.

Fazit

Wie gesagt, alles in allem durchaus irgendwie unterhaltsam, zeitweise sogar interessant, aber so richtig vom Socken hauen konnte mich das Buch nicht. Dafür sind alle viel zu viel unterwegs, die Höhepunkt sind wage und die Charaktere nur in kleinen Stücken genießbar.
Den nächsten Band werde ich wohl noch lesen (weil SUB) und dann werde ich später weiter entscheiden, ob ich die Reihe (vermutlich sowieso nur sporadisch) weiter verfolge, oder mir die 1000 Folgebände kneife. (Vielleicht auf die Sammelbände umsteige, da ich dann perfekt mit dem dritten „Originalband“ weiter machen könnte und die Anzahl von Neuerwerbungen überschaubar wären)



Kommentare:

  1. Ein wirklich tolles Fazit. Ich hab mit der Reihe ja bislang noch nicht begonnen, muss das aber unbedingt nachholen. Und bei so einer langen Serie ist es wohl auch normal, dass manche Bände nicht mithalten können wie andere. Ich bin bereits gespannt, ob Band 4 dich wieder mehr begeistern kann!

    Liebste Grüße!

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    1. Ich werde eh auf die Bücher in Originallänge umsteigen. Ist einfach sinnvoller :) Ist halt sehr klassische Fantasy :)

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  2. Wenn du weiterliest, wirst du noch deutlich mehr von Egwene und Perrin (den ich auch besonders mochte) lesen. Ich hatte damals das Gefühl, dass der Autor so viele Nebengeschichten einbauen wollte, dass er erst einmal im Kreis lief. Es wird wieder deutlich besser, allerdings muss ich zugeben, dass ich aufgehört habe die Reihe zu verfolgen, als die deutschen Ausgaben (die wirklich blöd geteilt wurden) auf dem Stand der Originalausgaben waren - und als dann die Reihe auch noch von einem anderen Autor beendet wurde, hatte ich auch keine Lust mehr das Ganze noch mal in Angriff zu nehmen.

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    1. Nach dem Tod von Robert Jordan muss ich sagen, dass ich froh bin, dass Brandon Sanderson die Reihe fortgeführt hat. Der Mann ist im Bereich Fantasy mein absoluter Lieblingsautor, daher werde ich wohl damit leben können ^^ Ich würde die Reihe aber auch nicht mehr in der gesplitteten Ausgabe weiter lesen, sondern dann wirklich auf die Originallänge umsteigen. Vielleicht packt es mich ja doch noch mal so richtig. :)

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  3. Danke für deine vielen lieben Kommentare auf meinem Blog und auf den Tipp mit Peter V. Brett! Habe die ersten Bücher der Reihe bereits auf meinem SuB und ich hoffe, ich vergesse nicht, sie mit nach England zu nehmen, denn ich will deinem Tipp endlich folgen und es lesen! Und wenn Arya und Valek wirklich durchkommen, kannst du dann gerne mit Votes unterstützen, würde mich echt freuen! :)

    Liebste Grüße. :)

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