Donnerstag, 12. Februar 2015

Rezension: Die Erlösung – Kushiel 3 von Jacqueline Carey

Die Erlösung
Jacqueline Carey
LYX (15. Sep. 2008)
Originaltitel: Kushiel's Avatar
ISBN 13: 978-3802581229
Taschenbuch
960 Seiten
nur noch gebraucht zu erwerben

Kurzbeschreibung:
(Amazon)

Zehn Jahre lang hat Phèdre nó Delaunay nach einer Möglichkeit gesucht, ihren alten Jugendfreund Hyacinthe aus der ewigen Gefangenschaft zu befreien. Hyazinthe hatte einst ein Bündnis mit dem Gebieter der Meeresstraße geschlossen, um Phèdres Leben zu retten. Nun stößt Phèdre auf eine neue vielversprechende Spur, und gemeinsam mit ihrem treuen Begleiter und Geliebten Joscelin reist sie an ferne Königshöfe, an denen der Wahnsinn regiert, und in ein geheimnisvolles Land, das die Welt vergessen hat. Dort trifft sie auf eine Macht, die so ungeheuerlich ist, dass niemand es wagt, ihren Namen auszusprechen.

Allgemeines:

Es hat lange gebraucht bis ich endlich zum dritten Band der Trilogie gegriffen habe. Außerdem musste ich zuvor noch den zweiten Teil re-readen, da mir von der Handlung so gut wie nichts mehr in Erinnerung geblieben ist.
Dabei hatte mir der erste Teil damals in der Leserunde im fantasy-Forum klick sehr gut gefallen. Und tut es auch heute noch.

Der dritte Teil ist nahezu der beste Band der Reihe, auch wenn mir der Erste vielleicht um eine Winzigkeit besser gefallen hat.


Aufbau:

Obwohl die ersten 300 Seiten so gut wie nichts geschieht und Phedre ganz in alter Manier von Ort zu Ort reißt und dabei viele Völker, Kulturen und Religionen kennen lernt, ohne das wirklich etwas Nennenswertes passiert, habe ich mich doch zu keinem Moment wirklich gelangweilt.
Was mir vor allem gefallen hat und was diesen Band von seinen Vorgängern abhebt ist die Grundlage der Storyline.
Statt auf altbewärte Taktiken zurück zu greifen, geht die Autorin mit diesem Buch hier neue Wege. Wir haben nicht erneut die Bedrohung des Throns, nicht wieder ein großes Intrigenspiel, sondern dieses Mal geht es um eine Suche.
Die Suche nach dem Schlüssel um ihren Jugendfreund zu befreien und die Suche nach einem ganz bestimmten Jungen.
Beides scheint unabdingbar miteinander verknüpft. Denn die Protagonistin ist nun wirklich und wahrhaftig das Werkzeug eines, vielleicht sogar mehrerer Götter.

Im Mittelteil beruhigt sich die ganze RumReiserei endlich und es kommt zu einigen Szenen, die mich atemlos zurück gelassen haben, vor Entsetzen weinend, mir die Haare raufend, nach Luft schnappend.
Diese 200-300 Seiten in der Mitte waren unfassbar spannend, erschreckend, schockierend, ernüchternd und unendlich traurig. Dennoch ließ mich dieser Umstand nur so durch die Seiten fliegen.
Danach beruhigt sich die Geschichte wieder, alles wird recht kurz abgehandelt, aber dennoch bleibt es interessant.
Auch das Ende ist vollkommen. Alle Fäden werden aufgelöst, alle Fragen soweit geklärt, alles fügt sich ineinander. Auch kommt das Ende nicht plötzlich, sondern gemächlich und endet sehr zufriedenstellend und irgendwie nahezu anheimelnd. Vor Rührung hätte ich am Ende beinahe wieder einige Tränen vergossen.

Charaktere:

Die Handelnden sind überwiegend die selben, auch wenn wieder einige Nebenfiguren eingeführt werden, die durchaus Charakter und Persönlichkeit haben und über die ich gerne gelesen habe. Einige von ihnen habe ich ebenso ungern zurück gelassen wie unsere Hauptfigur selbst.
Dazu kommt der Junge Imriel. Oft gehen mir Kinder in Büchern ganz gehörig auf die Nerven, nur selten schafft es ein Autor, einen kindlichen Charakter authentisch und glaubhaft darzustellen.
In diesem Fall war es aber absolut gelungen.
Imriel wirkte in sich logisch und gefiel mir ausnehmend gut.

In diesem Band schafft es Carey sogar mir meinen absoluten Hasscharakter der Reihe fast sympatisch zu machen. Zumindest mildert es meine heftige Abneigung. Melisandre, die göttlich schöne Intrigantin wird hier immer menschlicher, auch wenn ich froh bin, dass der Charakter nur sehr selten wirklich in Aktion tritt.

Stil:

Auch der Schreibstil ist wieder außergewöhnlich poetisch und ebenso gut, wie in den Bänden zuvor.
Dennoch muss ich einen besonderen Augenmerk darauf legen.
Im Mittelteil sind die Geschehnisse erschreckend, obszön, schockierend und gelinde gesagt mehr als furchtbar. Dieser Eindruck wird durch den schönen Sprachstil nur noch mehr hervor gehoben. Da gerade die Diskrepanz zwischen Beschriebenem und Beschreibung die Szenerie deutlicher werden lässt.

Alles in Allem:

Mag ich eigentlich gar nicht allzu viel zu dem Buch sagen, da es sich um den Abschluss einer Reihe handelt und ich sonst in die Gefahr gerate zu viel zu verraten.
Ich kann nur sagen, dass das Buch ganz wunderbar ist und nach dem etwas schwächeren zweiten Teil wieder sehr viel interessanter wirkt.
Dennoch muss man sich im Klaren darüber sein, dass das Buch sehr ruhig beginnt und ebenso ruhig endet, dass die Hauptcharaktere unglaublich viel reisen und wahre Spannung nur im Mittelteil zu finden ist. Und das bei knapp 1000 Seiten. Schreibstil, Charaktere und Drama sind wieder vollkommen vorhanden, außerdem bildet das Ende einen würdigen Abschluss der Trilogie.

Ansonsten kann ich nur sagen, dass es schade ist, dass LYX die Folgetrilogie, die Imriel zur Haupfigur hat nicht weiter übersetzt hat.  

Kommentare:

  1. Wow, schön zu wissen, dass dir Band 3 so gut gefallen hat!!! Ich werde die Folgetrilogie dann auch auf englisch weiterlesen. Leider (oder auch Gott sei Dank) ist Kushiel ja nicht im Mainstream angekommen, zumindest nicht im deutschsprachigem Raum. Aber es ist gut zu wissen, dass man auf englisch weiter in diese wunderbare Welt eintauchen kann!

    LG

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    1. Ich werde ich die Folgrereihe wohl nicht lesen, denke ich. Ich würde zwar gerne, aber ich lese dafür einfach zu ungern auf Englisch. Irgendwie schade. Mich würde es schon sehr interessieren, wie es weiter geht. Aber ich bleib bei deutschen Büchern.

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