Donnerstag, 5. Februar 2015

[Buch unterwegs...] Ein lautloser Seufzer – oder ein Schrei in den Schatten

außerdem eine ausgewachsene Schuhsucht und ein Amok-Spiel.

Nennen wir es – mal wieder einen dieser Tage.
Man quetscht sich erst in die U-Bahn, die seit zwei Wochen nur noch 30km/h fahren darf, weil sie sonst auseinander bricht, dann steht man eine drei viertel Stunde in der Kälte, weil irgendwelche Gleise, mal wieder aus welchen Gründen auch immer nicht befahrbar sind, dann rennt man am nächsten Bahnhof zur nächsten Straßenbahn und ist froh, wenn man überhaupt irgendwie in die Bahn hinein kommt.

Dann die Erleichterung, an der nächsten Haltestelle werden vier Plätze frei.
Unisono streben vier Menschen auf die Sitze zu. Ein lautloser Seufzer und alle vier nehmen ihre Bücher aus dem Rucksack, schlagen es auf und zwei Sekunden später scheinen bei allen die Gedanken an zu viele Menschen, zu viel Lärm und stickiger Luft vergessen zu sein.

Da ich eine der vier Personen war, stelle ich euch gerne die anderen drei Bücher vor.

Da hätten wir einmal einen Mann, Mitte-Ende Vierzig, graumeliertes Haar, sehr gut sitzender grauer Anzug.
In der Hand „Schattenschrei“ Band 3 der Victoria Bergman Trilogie von Erik Axl Sund.

Die Cover finde ich ziemlich ziemlich geil, aber ich glaube nicht, dass ich die Reihe jemals lesen werden. Dafür lese ich Krimis und Thriller einfach zu selten.

Hier gebe ich lieber den Klappentext des ersten Teils an. Ich denke der Klappentext zu Band drei enthält Spoiler.
Daher hier:

Krähenmädchen:

Stockholm. Ein Junge wird tot in einem Park gefunden. Sein Körper zeigt Zeichen schwersten Missbrauchs. Und es bleibt nicht bei der einen Leiche ... Auf der Suche nach dem Täter bittet Kommissarin Jeanette Kihlberg die Psychologin Sofia Zetterlund um Hilfe, bei der eines der Opfer in Therapie war. Ihr Spezialgebiet sind Menschen mit multiplen Persönlichkeiten. Eine andere Patientin Sofias ist Victoria Bergman, die unter einem schweren Trauma leidet. Sofia lässt der Gedanke nicht los, bei ihr irgendetwas übersehen zu haben. Schließlich müssen sich Jeanette und Sofia fragen: Wie viel Leid kann ein Mensch verkraften, eher er selbst zum Monster wird?

Wobei jetzt wo ich den Klappentext lese, könnte mich das Buch vielleicht sogar doch interessieren. Hat jemand Erfahrungen damit gemacht?

Das Mädchen neben mir, vielleicht Anfang 20. Ohne etwas genauer ins Detail zu gehen, sage ich nur, dass ihre Lektüre sehr gut zu ihrem Außenbild gepasst hat:

Shoe Addicts Anonymous von Beth Harbison

Four very different women...all addicted to shoes.
Lorna is up to her eyeballs in debt but can't help bidding for the newest Jimmy Choos on eBay. Helene is unhappily married to a politician who keeps threatening to cancel her credit cards. Sandra pays her shoe bills by working as a phone sex operator. And Joss is a nanny who has found herself in a family from hell and will do just about anything to get out of the house on her night off.
When they come upon a classified advert, inviting shoe lovers to a weekly shoe-swap, each one jumps at the chance to meet fellow addicts. But none of them realise that they will come away with much, much more than just a new pair of kitten heels.

Ein Buch das definitiv niemals etwas für mich wäre, aber die junge Leserin kaute sehr gespannt an ihrer Unterlippe. Ich habe gesehen, dass das Buch bei Amazon tatsächlich einige gute Rezensionen bekommen hat.
Ich glaube ich könnte mit dem Inhalt nicht besonders viel anfangen. Schuhe kaufen tue ich wie folgt: Ich weiß was ich brauche – rein in den Schuhladen, das erste Paar dass mir gefällt und passt und dass ich brauche wird gekauft – raus aus dem Schuhladen.
Keine Ahnung. Ich glaub mir ist das zu eng in Schuhläden.


Und das dritte Buch – in den Händen einen jungen Mannes, Mitte-Ende 20. Kurzes dunkles Haar. Zunächst las er noch, dann wurde er von einem Bekannten angesprochen.
Das Buch hielt er in der Hand, den Daumen zwischen die Seiten geklemmt. Er sah sehr danach aus, als dass er wirklich gerne weiter gelesen hätte.
Für mich verständlich. Denn ich habe das Buch selbst schon gelesen. Und ich mochte es gern, auch wenn es viele unterschiedliche, teilweise sehr kontroverse Meinungen zu dem Buch gibt. Das was meist bemängelt wird, war das was mir damals bei dem Buch so gut gefallen hat. Weil es in meinen Augen nicht mangelndes Können, sondern ein stilistischer Meister-Kniff gewesen ist.

Ich rede von Amok – Richard Bachmann (bzw. Stephen King)

Ich finde dazu keine Kurzbeschreibung. Aber zusammenfassend geht es um einen Jungen, der in einer Schule Amok läuft, ein paar Leute erschießt und danach jedem aus seiner Klasse seine geheimsten Geschichten entlockt.

Oder so ähnlich. Ich war auf jeden Fall beim Lesen damals sehr beeindruckt. Und nein – ich hatte danach nicht vor etwas Ähnliches zu tun. 

Und jetzt bin ich wieder gespannt, was ich noch so an reisenden Büchern finde. 

Kommentare:

  1. Da ist ja eine interessante Mischung zusammen gekommen! :)

    Erik Axl Sund sagt mir nichts, aber ich bin in den letzten Jahren auch sehr zurückhaltend geworden, wenn es um neue Krimi- oder Thrillerautoren geht. Wenn dich der Klappentext reizt, dann versuch es doch mal. Bestimmt findest du irgendwo eine Leseprobe zum Reinschnuppern. :)

    Bei meiner heutigen Fahrt mit den Öffentlichen war ich die einzige Person mit einem Buch in der Hand ("Whiskey and Water" von Elizabeth Bear - da ich das Buch nur unterwegs lese, wird mich das noch ein paar Monate begleiten *g*). Alle anderen hatten entweder ihr Smartphone dabei und brüllten hemmungslos hinein oder glubschten erschöpft vor sich hin. ;)

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    1. Seit ich darauf genauer achte, fallen mir immer mehr Menschen auf, die im ÖPNV tatsächlich lesen. Heute jemand neben mir auf der Rolltreppe am Bahnhof ^^ Da konnte ich den Titel leider nicht sehen. Dafür wieder viele in der Ubahn. Ab und zu erwische ich mich selbst auch beim Schreiben auf dem Smartphone, aber meine beste Freundin lebt in Australien daher mag man es mir nachsehen, manchmal schreibe ich auch meinem Freund oder anderen Freunden. Aber ruhiger und entspannter ist es tatsächlich wenn mehr Menschen lesen :)

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