Dienstag, 7. Oktober 2014

Rezension: Jäger der Macht – Mistborn 4 (oder auch The Wax and Wayne Trilogy 1) von Brandon Sanderson

Jäger der Macht
Brandon Sanderson
Heyne Verlag (Juni 2012)
Taschenbuch
Originaltitel: Alloy of Law
ISBN: 978-3453529427
416 Seiten
13,99 Euro

Ein actionreiches, angenehm einfach zu lesendes Buch, das nostalgische Gefühle weckt.

Kurzbeschreibung:

"Das Reich Scadrial hat sich in den letzten dreihundert Jahren gravierend verändert: Die Nebelgeborenen haben ihre Schwerter gegen Schusswaffen eingetauscht, und die Helden von einst sind längst zur Legende geworden. In dieser Zeit kommt Waxillium Ladrian nach zwanzig Jahren in der Einöde zurück in die Hauptstadt Elendel, um seinen Pflichten als Oberhaupt einer adeligen Familie nachzukommen. Doch in der Stadt lauern Gefahren, mit denen er nicht gerechnet hatte."

Allgemeines:

Anders als die ursprüngliche Mistborn-Trilogie ist dieses Buch wesentlich weniger komplex, legt seinen Fokus deutlich mehr auf gut aussehende Actionstunts und ist wesentlich linearer verfasst. Jäger der Macht ist von der Aufmachung her der Ursprungstrilogie sehr ähnlich, spielt aber dreihundert Jahre nach dem Ende des Letzten Reiches. 
Die bekannten Charaktere spielen nur noch in Sagen und Legenden eine Rolle – wobei – bis auf wenige Ausnahmen… (hier möchte ich nicht zu viel verraten, aber es ließ mein Herz höher schlagen. Mit DER Figur hatte ich nicht gerechnet - was habe ich mich gefreut)

Dennoch würde ich empfehlen die Ursprungsreihe vorher zu lesen, denn nur dort werden wesentliche Begrifflichkeiten geklärt.

Die wesentlichen Magiesysteme werden beibehalten, befinden sich aber im Wandel und haben sich entwickelt. 
Das Gleiche gilt auch für die Religion und die Herrschaftsstrukturen der Welt. In der Danksagung erwähnt der Autor, dass er gerne dynamische Welten erschafft, deren Stand der Technik und Kultur nicht Jahrhunderte lang stagniert. Und dies ist ihm gelungen.



Weltenbau, Magie und Geschichte:

Elantel – die Hauptstadt des Reiches und nach dem sagenhaften Elant aus der Mistborn-Reihe benannt – erinnert ein wenig an das viktorianische London, bzw. seinem Gegenstück New York zu dieser Zeit – vielleicht an eine Mischung aus beidem.

Das Rauland wirkt wie der Wilde Westen und so werden zwei klare Genres miteinander vermischt und ergeben eine wunderbare Einheit. Im Grunde hat man mit dem Buch einen Western-Action-Abenteuer-Kriminalband vorliegen – der mit einer wunderbaren Magieart gewürzt wurde.

Gerade dadurch, dass viele Namen aus der Mistborn Trilogie genannt wurden, hatte ich richtig gehend nostalgische Gefühle, auch dass die Magie eine neuartige Entwicklung gemacht hat, gefiel mir sehr und es war spannend zu sehen, was mit Metallen nun noch alles möglich ist. Ebenso gefielen mir die verschiedenen Ansätze zum Thema Religion.

Dennoch muss man sagen, dass hier die Komplexität der alten Trilogie fehlt. Der Band ist sehr viel stringenter verfasst und fast ausschließlich aus der personalen Sicht des Protagonisten Wax geschrieben. Ab und zu rücken auch andere Figuren in den Mittelpunkt, unter anderem auch der Antagonist des Buches, aber im Groben sieht der Leser fast alles aus den Augen von Wax.

Für diese Art von Roman hat mich aber die Schnelligkeit und Einfachheit des Stils nicht wirklich gestört. Es war ein wunderbares Action-Spektakel, mit coolen Szenen und durchaus einiger Spannung, also letztendlich ein sehr unterhaltsames Buch, das durch seine Charaktere auch immer wieder mit einem Augenzwinkern daher kommt. 
Nach der langen und teils schwierigen Lektüre von „Der Weg der Könige“ habe ich das deutlich kürzere und deutlich flottere Buch Jäger der Macht wirklich sehr genossen.

Am Ende überrascht Sanderson zunächst nicht allzu sehr mit der Präsentation der Lösung des Grundkonflikts, aber ganz ganz ganz am Ende, also auf den letzten Seiten gibt es noch einen Plottwist, den ich so nicht gesehen hatte, weil ich wohl zu abgelenkt von all dem Schüsse-Metalle-Explosions-Feuerwerk gewesen bin. An dieser Stelle hatte ich das Gefühl wieder einen echten Sanderson vor der Nase zu haben.

„Es war fünf Monate und eine ganze Welt weit entfernt, aber noch immer hörte er diesen Schuss – klar und deutlich wie der auseinanderbrechende Himmel“ Seite 24

Charaktere:

Und genau dieses Gefühl hatte ich auch bei den handelnden Figuren. 

Wax ist der Held der Geschichte, auch wenn er nicht so strahlend ist, wie ihn manche gern hätten. Er vertritt den ernsten Part, den Part mit einer durchdachten, halb dramatischen Vergangenheit, klugen Gedanken und Tatkraft. Er ist sympathisch, manchmal vielleicht etwas zu ernst, zu sehr gefangen in seinen Moralvorstellungen, aber ein gutmütiger Typ.

Aber Wayne, Wayne ist einfach großartig. Neckisch, ein Schelm, ein Gauner mit Augenzwinkern, ein Mann mit Humor, ein etwas schräger Vogel mit abweichender Moralvorstellung. Ich habe Wayne geliebt. Und gerade die zwei zusammen ergeben ein unschlagbares Duo. 
Sowohl als zwischenmenschliches Team, als auch als Verbrecherjäger.

Außer dem Antagonisten bleiben die restlichen Charaktere natürlich etwas blasser, aber dennoch hat jeder von ihnen extrem viel Wiedererkennungswert und einige Charaktere machen sogar besonders viel Spaß.Viele davon sind tatsächlich bloße Nebenfiguren.

Generell hatte ich den Eindruck, dass Sanderson diesmal keine so furchtbar dunkle, grausame Welt erschaffen wollte, sondern eine leicht humorvolle Seite zeigen wollte.

„In einem einzigen Ausbruch von Feuer und Lärm ein einziges Mal nützlich zu sein, ist besser, als ein ganzes Leben lang nichts erreicht zu haben.“ Seite 284

Fazit:


Ein feines Buch, actionreich, bunt, mit großartigen Charakteren und einigem Humor.  Es war sehr unterhaltsam, mit einem klugen Cliffhangar am Ende und für Zwischendurch sehr angenehm zu lesen. Ich bin sehr gespannt, was Wax und Wayne noch so zusammen erleben werden. Hach – Wayne – dem Jungen würd ich auch gern mal in den Fuß schießen :-D 

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