Dienstag, 14. Oktober 2014

Rezension: Der Pfad der Winde – Sturmlicht Archive 2 von Brandon Sanderson

Der Pfad der Winde
Brandon Sanderson
Heyne Verlag (August 2011)
Gebundene Ausgabe
ISBN: 978-3453267688
Originaltitel: The Way of Kings – The Stormlight Archive, Book 1(Part 2)
784 Seiten
22,99 Euro

Die absolut perfekte Fortsetzung von “Der Weg der Könige

Kurzbeschreibung:

„Dies ist die Geschichte von Dalinar, Heerführer von Alethkar und Bruder des ermordeten Königs. Krieg erschüttert das Reich in seinen Grundfesten, und seit dem gewaltsamen Tod des Königs ist die Einigkeit der mächtigsten Fürsten des Landes gespalten. Doch das ist nicht das Einzige, das Fürst Dalinar auf dem Herzen liegt: Nacht für Nacht quälen ihn unheimliche Träume und Visionen – Visionen aus einem Zeitalter, in dem der heilige Ritterorden der Strahlenden das Reich regierte, mächtige Ritter, deren Splitterklingen und Splitterpanzer jeden Menschen in einen unbesiegbaren Krieger verwandelten, und Menschen wie Götter noch Seite an Seite kämpften. Neue Hoffnung keimt in Dalinar auf, Hoffnung auf eine bessere Zukunft Roschars. Doch er weiß genau, dass Roschar nur gerettet werden kann, wenn er dem Geheimnis der magischen Klingen auf die Spur kommt.“

Allgemeines:

Im englischen sind „Der Weg der Könige“ und „Der Pfad der Winde“ ein Buch. Im Deutschen wurde die Geschichte gesplittet. 
An dieser Stelle muss ich Heyne durchaus ein Lob aussprechen. Die Geschichte wurde genau an der richtigen Stelle geteilt, so dass ein erneuter Handlungsbogen aufgebaut werden kann.
Die Ausgabe ist wieder wunderschön, immer noch gibt es farbige Karten im Einband und an vielen Stellen sind wieder bildschöne Zeichnungen und Skizzen eingefügt worden, die dem Leser auch einen tatsächlichen visuellen Eindruck über die Orte und die Flora und Fauna des Romans gibt.

Das Lektorat ist stellenweise, wie im ersten Band bemängelt, immer noch lückenhaft. Der Text weist sehr viele Fehler auf. Dennoch kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen.

Vorderer Buchdeckel


Weltengestaltung und Plot:

Viel mehr als zum ersten Teil habe ich gar nicht sagen. Die Welt „wächst“ immer weiter. Der Leser kann immer mehr entdecken, dennoch gibt es keinen Bruch in der Erzählstruktur. 
Noch immer gibt zwei Handlungsorte, die unterschiedlicher nicht sein können, die aber beide ungeheures Potential versprechen.
Die zerbrochenen Ebenen sind per se düster, bedrohlich, gefährlich und geheimnisvoll. Und stellenweise wurde die Handlung so dramatisch, dass die Spannung gegen Ende fast unerträglich wurde. An anderen Punkten, waren die Reaktionen einiger handelnder Personen so emotional, so klar umrissen, dass ich fast schlucken musste. 
Das Buch bietet also eine große Bandbreite an Gefülhen, Aktionen und Geschehnissen.
In Karbranth geht es ruhiger zu, wenn auch nicht weniger dramatisch und nicht auf den ersten Blick als bedrohlich erkennbar. Aber schon im ersten Band wurde klar, dass nicht immer alles so einfach scheint, wie es zu Anfang schien.


"Sprengsel erscheinen, wenn sich etwas verändert - wenn Angst entsteht oder es zu regnen beginnt. Sie sind das Herz allen Wandels und daher auch das aller Dinge." Seite 14

Sanderson beweist gerade bei diesem Handlungsstrang wie ehrlich er mit seiner Geschichte umgeht. Charaktere sterben – ja – und das macht das ganze natürlich realistisch. Sanderson schafft es dem Leser so den Verlust von Charakteren näher zu bringen, ohne es gleich übertreiben zu müssen, wie zum Beispiel George R.R. Martin es in seinem Zyklus „Das Lied von Eis und Feuer" tut.

Der Vergleich ist dennoch natürlich unfair und war ursprünglich nicht beabsichtigt. Sanderson schreibt vielleicht ebenso komplex, aber mit einem viel viel größeren Augenmerk auf die Magie. Und ja, ich liebe die Magie nach wie vor in seinen Werken. Sehr viel Neues haben wir dazu nicht erfahren, aber dafür sehr viel mehr über die Vergangenheit Roschars. Und da beides untrennbar miteinander verbunden ist, habe ich Dalinars Visionen mit großen Genuss gelesen.


"Was war ein Gebet denn anderes als eine Schöpfung? Man machte dort etwas hin, wo vorher nichts gewesen war. Man erschuf einen Wunsch aus Verzweiflung, eine Bitte aus Not. Man beugte den Rücken vor dem Allmächtigen und formte aus dem leeren Stolz des menschlichen Lebens Demut. Etwas aus dem Nichts. Wahre Schöpfung." Seite 682

Charaktere:

Die Figuren sind im Grunde die gleichen wie im ersten Band. Natürlich entwickeln sie sich alle weiter und viele neue Facetten werden aufgedeckt und dennoch sind mir alle Charaktere sehr lieb. Tatsächlich, muss ich sagen, habe ich in dieser Reihe bisher keine Probleme mit den weiblichen Figuren gehabt.
Eine Person jedoch ist mir im zweiten Band noch sehr viel mehr ans Herz gewachsen und ich hoffe, dass man von ihm noch viel hören (bzw. lesen) wird.

Der Schelm des Königs, Hoid, wirkte schon im ersten Band, als sei er etwas Besonderes, aber im zweiten Band wird das plötzlich überdeutlich. Noch kann ich ihn absolut nicht richtig einschätzen, aber ich bin neugierig und die Szene mit ihm und Kaladin hat mich begeistert.
Ebenso aber auch die Szenen rund um Syl. Es wurde tatsächlich etwas offenbart, was ich so nicht gedacht hatte und was mich sehr neugierig macht auf den weiteren Werdegang der Figur.


"Ich habe mein Leben als Gedanke, als Konzept, als Worte auf einem Blatt Papier begonnen. Das ist noch etwas was ich gestohlen habe. Mich selbst." Seite 438

Ich bin im Übrigen sehr gespannt, wie es mit meinem Helden Kaladin weiter geht, da sich ja jetzt die Situation, wenn auch nicht der Schauplatz verlagert haben. An dieser Stelle kann ich nur sagen, hat Sanderson zwei sehr interessante Stränge sehr geschickt zusammen geführt.

Ansonsten möchte ich an dieser Stelle noch auf einige Nebenfiguren eingehen. Gerade Fels und die anderen wichtigen Brückenmänner sind mir sehr ans Herz gewachsen. Sie haben alle so viel mehr Tiefe bekommen und mir zerriss es bei ihren Geschichten teilweise wirklich das Innerste. Ich hoffe sehr, dass man noch viel von ihnen sehen wird. Zumindest von den wichtigsten Figuren.

Ohne Einband
Fazit:

Mindestens genauso gut wie der erste Teil. Atmosphärisch dicht erzählt, mit wunderbaren, reifen Figuren, einer Portion gutem Realismus, interessanten, abwechslungsreichen Szenerien, Kulturen und Magiearten. Ich kann es kaum abwarten, dass der dritte Teil erscheint.


Ich habe mir ausnahmsweise „Die Worte des Lichts“ vorbestellt und hoffe sehr, dass der dritte Band dann auch wie angegeben am 27. Oktober 2014 erscheint. Mir graut es schon vor den langen Wartezeiten auf den darauf folgenden Band. 


1 Kommentar:

  1. Ich gebe zu, dass ich mir deinen Text nicht durchgelesen habe, weil ich nicht riskieren will gespoilert zu werden, für den Fall, dass ich die Reihe noch anfangen möchte. Aber ich finde die Fotos von den Buchdeckelinnenseiten so hübsch, dass mich allein das schon fast zum Buch greifen lässt. *g*

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