Freitag, 26. September 2014

Rezension: Steelheart – The Reckoners 1 von Brandon Sanderson

Steelheart
Brandon Sanderson
Heyne Verlag (Juni 2014)
Hardcover
ISBN: 978-3453268999
448 Seiten
17,99 Euro

Kurzbschreibung:

Als David sechs ist, zerstört eine gewaltige Explosion die Welt, die er kannte. Einige der Überlebenden erlangen Superkräfte, die sie dazu nutzen, sich die übrigen untertan zu machen. Als David acht ist, muss er miterleben, wie einer dieser Superhelden, ein gewisser Steelheart, seinen Vater ermordet. Von da an kennt David nur ein Ziel: herauszufinden, warum sein Vater sterben musste. Und ihn zu rächen. Er schließt sich einer Untergrundbewegung an, die die Herrschaft der scheinbar unbesiegbaren Superhelden bekämpft. David ahnt, dass sogar der mächtige Steelheart eine Schwachstelle hat. Er muss sie nur entdecken. Doch das bunt zusammengewürfelte Grüppchen der Widerstandskämpfer muss sich erst zusammenraufen. Und nicht jeder billigt Davids Plan, Jagd auf Steelheart zu machen.

Vorneweg: 

Steelheart ist, wie so ziemlich jedes Brandon Sanderson-Buch, absolut gelungen. Anders als bei seinen Einzelbänden wie Elantris oder Sturmklänge oder seiner Mistborn Reihe handelt es sich bei dem vorliegenden Buch um ein Jugendbuch – oder modern ausgedrückt – einen Young-Adult Roman, der vom Verlag für Jugendliche ab 14 Jahren empfohlen wird.

Im Normalfall interessieren mich Superhelden nicht so besonders und ein Endzeitszenario mit übermäßig viel Technik, viel Bumbum, Waffen und Actionszenen gefällt mir normalerweise auch nicht. In der Buchhandlung würde ich solche Bücher eher links liegen lassen. Aber da ich so überzeugt von Brandon Sanderson bin, durfte Steelheart als eines meiner Geburtstagsbücher quasi auch ein einziehen und ich habe es absolut nicht bereut.

Aufbau:

Das Buch besitzt sicherlich nicht eine so vollkommene Komplexität wie seine Erwachsenen-Bücher und folgt zunächst auch einem eher einfachen Schema. Gerade auf den ersten Seiten wirkt der Plot sehr durchschnittlich gestrickt und die Idee scheint einem sehr klar abgegrenzten Gut/Böse – Schema zu folgen.

Aber wenn man Sanderson kennt, weiß man, dass meistens nichts so ganz einfach ist, wie es zu Beginn erschien.  
In diesem Fall ist es natürlich auch wieder so. Die meisten Charaktere sind zwar klar Prota- oder Antagonisten – aber auch hier bekommt man einige Überraschungen serviert. 
Hätte Sanderson allerdings die klaren Gut/Böse – Motive beibehalten hätte ich mich dennoch nicht beschwert. Für einen Jugendroman finde ich das schon mal ganz in Ordnung. Aber so konnte mich das Buch natürlich noch deutlich mehr begeistern.

Charaktere:

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive des Protagonisten geschildert. Auf den ein oder anderen mag das ungewöhnlich wirken, da man vom Autor anderes gewohnt ist. Bisher kannte ich diesen Stil nur aus seiner Kurzgeschichte „Legion“ – wo es mir außergewöhnlich gut gefallen hat. Mir ist allerdings bewusst dass Sanderson bei seinen Jugendbüchern zur Ich-Perspektive tendiert.

David also. David ist erst einmal sympathisch. Jung. Und auf Grund seiner Selbstironie irgendwie erfrischend. Seine Macke, die schlechtesten Metaphern zu bilden war mir dann zeitweise aber etwas zu konstruiert. Ab und an verfängt er sich dennoch in einer gewissen Arroganz, die ihn menschlicher macht und die in seinem Streben nach Rache begründet liegt. 
Dennoch ist er teilweise sehr naiv, gerade in sozialen Aspekten und genau wenn beides zusammentrifft nervt mich Davids Selbstüberschätzung. Dennoch werte ich dies als positiven Punkt. Ansonsten wäre David einfach zu perfekt, zu sehr Held in glänzender staubiger Rüstung gewesen.

Die restlichen Figuren sind ebenfalls nicht eindimensional, aber eben auch Klischees und weniger facettenreich als die Charaktere in (zum Beispiel) Mistborn
Hier haben wir natürlich den geheimnisvollen älteren Anführer, den (weiblichen) Wissenschaftsfreak, einen Megaschützen, einen Witzbold und die undurchschaubare Schönheit.  Sanderson gibt ihnen durchaus so ein oder zwei kleinere interessante Aspekte mit, die sie zu unterscheidbaren Figuren macht, aber es hält sich eben alles im Rahmen.

Ich möchte auch (auf Grund der Länge der Rezension) nur auf den Anführer der Rebellen eingehen. Den ich von Anfang an etwas genauer betrachtet hatte, weil ich da so eine Ahnung hatte sein Geheimnis betreffend und ich im Endeffekt auch Recht behalten habe damit. In diesem Zusammenhang übertrifft sich Sanderson am Ende des Buches trotzdem selbst, in dem er die Figur des Anführers mit der Metaphysik seines Weltenbaus perfekt  in Einklang bringt.

Ansonsten muss ich Megan erwähnen, die launenhafte, wechselhafte, ach so undurchsichtige Megaschönheit, in die David sich quasi auf den ersten Blick verliebt. David scheint hier typisch Teenie zu sein – denkt nur mit seinen Geschlechtsmerkmalen. Toooooo much! 
Tut mir leid. Ich habe diese Zicke gehasst, verachtet, verflucht, beschimpft. Ich bin mir nicht sicher, ob der Autor das bewusst so geschrieben hat, oder ob Megan eigentlich vom Leser lieb gewonnen werden sollte. Ich weiß es nicht – ich fand sie und alle Szenen mit ihr furchtbar. Das auch hier noch mehr an der Sache dran sein musste, als gedacht, hatte ich erwartet, aber ich bin bis zum Ende nicht drauf gekommen und fand den Twist, den Sanderson einbaut einfach großartig. Auf allen Ebenen. Ich war richtig richtig zufrieden und ein bisschen schadenfroh auch.

Aber auch die Epics, die eigentlich alle böse sind, haben ihre Facetten. Und sie sind nicht ganz klar in schwarz und weiß einzuteilen. Wie genau das zu verstehen ist, müsst ihr selbst lesen. Es lohnt sich. Gerade die Figur des Conflux gefiel mir ausnehmend gut.

Die Namen der Epics sind Telling-Names und wurden Gott sei Dank in der deutschen Übersetzung beibehalten. Telling Names empfinde ich immer ein wenig wie ein Stilbruch, aber in diesem Fall gefiel es mir, da es die Eigenwahrnehmung der Epics und ihre Charaktereigenschaft – ihre Selbstüberschätzung – sehr gut unterstrich.

Stil:

Im Großen und Ganzen wirkt das Buch wie ein gut durchdachter, spannender Actionstreifen, mit einigen Geheimnissen und Möglichkeiten, die es zu entdecken lohnt. Die Epics und ihre Stärken und Schwächen würde ich gerne als Panini-Bildchen in meiner Schokolade sammeln um ehrlich zu sein.

Die Actionszenen sind tatsächlich ausgereift und verlaufen nicht durchgehend nach einem 0/8/15 Schema. Und auch wenn die post-apokalyptische Welt nicht grundlegend neu ist, birgt sie dennoch genug Überraschungen und innovative Ideen.

Erfrischend ist, dass das Buch sich aber nicht nur bei billigen Knalleffekten aufhält – es bietet nicht nur was für das innere Auge sondern auch was für den Kopf. 
Stellenweise flechtet Sanderson sehr gekonnt und ohne aufdringlich zu sein einige interessante philosophische und ethische Fragestellungen ein. Sehr interessant ist dabei natürlich die Frage „Wurden nur böse Menschen zu Epics, oder ist es die Macht, die korrumpiert.

Ende:

Das Ende war wie ein Action-Feuerwerk. Auch wenn mir einige Actionszenen in der Mitte des Buches ein wenig besser gefielen. Der Kampf gegen Steelheart und die Auflösung waren nicht ganz neu – aber teils nicht vorhersehbar und irgendwie gab es durchaus einen WOW-Effekt – irgendwie episch. Verzeiht mir mein Wortspiel. Es war auf jeden Fall unerwartet und sehr sehr klug geregelt.

Ich kann mir vorstellen, dass Sanderson in den weiteren Bänden noch einiges an Spannung, Explosivität und Action hervorbringt, aber genauso gut kann ich mir vorstellen, dass er ein ausgeklügeltes Ende schreiben wird, dass er jetzt schon im Kopf hat.

FAZIT:


Ganz offensichtlich ein Jugendbuch, mit einem weniger komplexen Aufbau und weniger facettenreichen Charakteren als gewohnt. Aber einem wunderbar strukturierten Weltenaufbau – einigen durchaus interessanten Figuren und Fragestellungen– vielen Knalleffekten und einem absolut zufrieden stellenden Ende, das Lust auf mehr macht. 

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