Donnerstag, 18. September 2014

Rezension: Infinity Blade – Die Klinge der Unendlichkeit – Das Erwachen aus die Seele des Königs von Brandon Sanderson

Novelle
Die Klinge der Unendlichkeit – Das Erwachen
Aus: Die Seele des Königs (Sammelband)
Brandon Sanderson
Heyne (März 2014)
Originaltitel: Infinity Blade – The Awakening

Kurzbeschreibung:
Jedes Jahr wird ein Sterblicher ausgewählt, der versuchen soll den Gottkönig in einem Duell zu töten. Das Opfer gilt als symbolisch, denn niemand kann damit rechnen den unsterblichen Herrscher zu töten. Doch Siris gelingt es. Mit der Klinge der Unendlichkeit befindet er sich nun auf der Flucht. Wem kann er trauen? Was wollen seine Feinde? Und kann er sich selbst überhaupt trauen?

Diese Novelle gefiel mir von den Dreien in dem Buch am wenigsten. Generell halte ich die vorliegende Geschichte für das Schlechteste was ich von Brandon Sanderson bisher gelesen habe. Versteht mich nicht falsch, es ist noch lange nicht schlecht und im Allgemeinen ist es Jammern auf hohem Niveau. Doch bisher war ich eine noch höhere Qualität von diesem Autor gewöhnt.

Stilistisch ist das Buch auch einwandfrei und ebenso zufriedenstellend, wie alle bisherige Werke Sandersons. (Auch wenn ich anmerken muss, dass beim Lektorat der Deutschen Ausgabe anscheinend einiges schief gegangen ist – ich habe alle zwei bis drei Seiten Rechtschreib- und grobe Grammatikfehler gefunden. Ebenso auch teilweise unsinnige Sätze.)

„Ich werde ihr zeigen, wie es ist, Wahrheiten zu kennen. Schmerz, der so intensiv ist wie das Zerfallen der Welt; Scham, die so groß ist, als würde man von ihr verschlungen; Schuldgefühle gleich einem Himmel aus Blei.“ Seite 340

Teilweise ist die Wortwahl des Autors und bestimmte Stilmittel nahezu poetisch. Soweit also habe ich nicht viel zu meckern.

Stellenweise werden aber Informationen plötzlich als gegeben hingestellt, die die Charaktere gar nicht wissen konnten bzw. die vorher nie zur Sprache gekommen sind. So zum Beispiel Isas Herkunft. Und teilweise wurden einige Szenen auch zu hastig und zu knapp erklärt, so dass entweder die Informationsweitergabe nicht flüssig genug wirkte, oder die Spannungsmomente zerstört wurden, durch eine allzu fixe Auflösung der Szenerie. 
Diese Fehler sind denke ich, der Kürze der Geschichte anzulasten und daher wohl verkraftbar.

Dennoch habe ich noch ein paar Anmerkungen, die eher weniger positiv klingen – aber wie gesagt – ich kritisiere hier eine durchaus immer noch hochwertige Novelle:

  1. 1.    Der innere Monolog des Gottkönigs ist für mich ein billiger Kniff. Er soll beim Leser die Spannung erhöhen, in dem klar wird, dass der Gottkönig bereits alles verstanden hat, durch die Unterbrechungen in seinen Gedankengängen wird der Leser aber hingehalten und erhält nur tröpfchenweise, oder wenn überhaupt seine Informationen. Ich bin ja ein Fan davon, nicht alle Dinge direkt vorgesetzt zu bekommen, aber in diesem Fall war das stilistische Mittel zu offensichtlich und wirke auf mich irgendwann entnervend.
  2. 2.       Siris dagegen kommt immer wahnsinnig schnell auf des Rätsels Lösung und zwar so schnell, dass es zeitweise unglaubwürdig ist. Gerade die Szenen im ehemaligen Thronsaal des Gottkönigs sind nur wenig authentisch.
  3. 3.       Zudem strotzt die Geschichte nur so vor Klischees. Wir haben da den unwissenden, ahnungslosen, unbedarften „Bauernjungen“, der auserwählt ist etwas Besonderes zu sein und die Welt zu retten, die junge, wahnsinnig nervtötende, aber ach so geheimnisvolle Begleiterin. Ein magisches Schwert, Blut (bzw. Seelen)  benötigt, um es zu wahrhafter Macht zu führen. Dann ein paar verdorbene Unsterbliche, die nur mit dieser Klinge bekämpft werden können und voilá – so haben wir ein solides Stück durchschnittlichster Fantasy erschaffen. In diesem Fall zwar eher eine Form von Science Fantasy, aber der Plot bleibt der Gleiche. Leider kann ich nicht sagen, ob das dem Autor anzulasten ist, oder den Machern des Computerspiels Infinity Blade, auf dessen Hintergrund diese Story gründet. Ich kenne das PC Game auch nicht und bin daher leider nicht mit den nötigen Details vertraut. Vielleicht gefiel mir deswegen die Geschichte auch nicht. Aber das sind wage Vermutungen.
  4. 4.       Die Auflösung am Ende – also das große Geheimnis war vorhersehbar und nicht besonders innovativ. Aber ich kann damit leben.
  5. 5.       Aegis? So heißt die Duellkunst und die Duellmeister? Naja, ich weiß nicht, wer auf den Begriff gekommen ist. Spielehersteller oder Autor, aber es ist dann eine zu platte Anspielung auf die griechische Mythologie, in der das Schild von Zeus und Athene diesen Namen trägt. Ganz interessant zu wissen ist vielleicht, dass Aegis auch der Name eines elektronischen Warn- und Feuerleitsystems der U.S. Navy ist. So werden beide Elemente Science und Fantasy im Grunde eigentlich doch ganz gut miteinander verbunden.
  6. 6.       Die deutsche Übersetzung des Wortes „Deathless“. Mit  „Die Ewiglichen“ hat man es sich dann doch ein bisschen zu einfach gemacht. Aber auch hier weiß ich nicht wem dies zuschulden kommt.
  7. 7.       Und als letzten Negativpunkt muss ich einen Charakter anführen. Isa ist einer der schrecklichsten Frauencharaktere der gesamten Weltliteratur (naja gut, das ist übertrieben), aber ich habe sie gehasst. Sie ist überheblich, selbstgerecht und arrogant und natürlich ach so mysteriös und hübsch und klug und geschickt und die beste Waldläuferin und oh – sie kann sogar kochen. Zusammenfassend zitiere ich Siris‘ Gedanken zu ihr:


„Was für eine enttäuschende, unerträgliche Frau“ Seite 357

Und jetzt am Ende würde ich gerne noch ein paar positive Seiten anführen, die mir besonders aufgefallen sind:

1.       Die kurz eingestreute Frage nach dem philosophischen Ehrbegriff hat mir gut gefallen. Ehre gegen Nutzen. Wie viel Sinn hat Ehre etc. Dieser Ansatz hat durchaus einiges an Potential.
2.       Dass die Geschichte bereits fortgesetzt wurde. Leider bisher noch ohne deutsche Übersetzung. Aber die Story wirkt mehr wie ein Prolog, als wie eine fertige Novelle, daher bin ich froh, dass ich weiterlesen könnte, wenn ich wollte. Ob ich will wird sich noch zeigen. Erstmal aber nicht.
3.       Natürlich TEN. Der kleine wandelbare Golem. Hach, ich mag dieses Geschöpf. Seine Stellen, so kurz sie auch waren, waren ulkig und intelligent und interessant zu lesen.



Fazit: Definitiv unterhaltsam. Schnell und leicht zu lesen und stellenweise ist es auch ein echter Sanderson, aber leider die schwächste Novelle im Sammelband und mit zu vielen Schönheitsfehlern. Für Fans des PC-Games aber sicherlich interessant. 

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