Mittwoch, 10. September 2014

Rezension: Fear and Loathing in Las Vegas von Hunter S. Thompson

Dieses Buch geht in meine persönliche Top-Liste der furchtbarsten Bücher ein, die ich je gelesen habe. 

Fear and Loathing in Las Vegas
Hunter S. Thompson
Harper Collins Pbl. UK 2005
ISBN: 978-0007204496
240 Seiten 
Taschenbuch
10,20 Euro

Das Buch wird unter „Modern Classics“ geführt und ich habe im Normalfall auch gegen gewisse Kanon-Literatur nichts einzuwenden und lese sie ab und an sogar sehr gerne. Dennoch hätte mich das Buch eigentlich nicht angesprochen. Drogen, Exzesse und latente Gewalt…

Ich würde an dieser Stelle auch gerne eine Kurzbeschreibung einfügen, aber mir fällt nicht besonders viel dazu ein. Vielleicht in etwa so: Zwei abhängige Typen fahren nach Las Vegas mit einem Kofferraum voller Drogen, unter einem fadenscheinigen Vorwand, nehmen noch mehr Drogen  - haben regelmäßig irgendwelche Trips, nehmen dann noch mehr Drogen und vielleicht wird irgendwo auch kurz die Idee vom Amerikanischen Traum erwähnt. Aber eigentlich gehts vor allem um Drogen. Erwähnte ich Drogen? -.- 

Mein bester Freund drückte mir das fiese Ding letztens in die Hand, mit der Ansage, dass es sich um sein „neues Lieblingsbuch“ handle und er mich bitte, es doch zu lesen. Ihm zu Liebe habe ich das Buch dann begonnen und schon auf den ersten Seiten hatte ich die Befürchtung, dass das Buch einfach nicht meinen Literaturgeschmack treffen würde. Und leider behielt ich damit absolut Recht.

Die angeblich intendierte sozialkritische Aussage über den Verlust und das Verkommen bestimmter gesellschaftlicher Strukturen und ihrer Subkulturen war für mich nicht erkennbar. Für mich ist das ganze Buch wie das betrunkene Gelalle zweier Besoffener in einer schäbigen Eckkneipe, die abwechselnd vor die Theke pissen, nur um dann ihre Ausscheidungen noch als hoch, philosophisch und abstrakte Kunst zu verkaufen. Also etwa so – nur schlimmer.

In einigen Diskussionen zu Film und Buch ist mir aufgefallen, dass die Leute mit augenscheinlichen Drogenerfahrungen, das Buch als realistische Darstellung ansehen, Menschen mit weniger bzw. gar keiner Drogenerfahrung die Darstellung der Rauschzustände für absolut überzogen halten.

Ich bin da geteilter Meinung: Einerseits würde ich das Buch vielleicht als eine Art Kunstform ansehen, wenn es tatsächlich voller überzogener Fiktion wäre. So könnte ich dann dem ganzen Geschehen auch eine gewisse Aussagekraft zugestehen. Aber Fear and Loathing ist als Schlüsselroman betitelt, was bedeutet, dass das Buch auf wahren Begebenheiten basieren soll, auch wenn Namen und andere Detailsteilweise verändert worden sind.

Laut gängiger Meinung handelt es sich bei dem Ich-Erzähler um den Autor selbst. Und somit kommen wir also zu „Andererseits“. Andererseits kann ich in den handelnden Figuren nur zwei Vollidioten erkennen, die sinnlos berauscht durch die Gegend fahren und Zeug einwerfen. 
Und gerade weil die beiden drogensüchtigen Leute, die da in der Realität irgendwann durch die Wüste Las Vegas‘ gefahren sind sicher nicht groß und nicht ernsthaft in der Lage dazu waren über die Probleme diverser Subkulturen und ihrem Verfall nach zu denken, halte ich es für absurd in dem Buch eine so hohe Form der Kritik zu finden.

Auch die angeblich „echten“ transkribierten Tonbandaufnahmen machen für mich deutlich, dass die Suche nach dem Amerikanischen Traum, allein schon deswegen scheitern musste, weil die beiden Herren nicht mehr dazu in der Lage waren, jenen als Gedankenkonstrukt anzuerkennen. Viel schlimmer fand ich aber, dass der „Editor“ anmerkt, dass die weiteren auf Tonband aufgenommenen Sequenzen nicht mehr dargestellt werden könnten, weil sie einfach zu wirr gewesen seien. Ist doch bemerkenswert, die Leute waren nicht mehr in der Lage zu sprechen, aber sicherlich gut darin eine ernstgemeinte und sozial wertvolle Gesellschaftskritik an den Tag zu legen. Sollte das ganze tatsächlich nicht echt sein, hat sich jede weitere Kritik dann ja sowieso erledigt.

Für mich sind die Aufnahmen etwa so viel wert wie samstagsabendliche Thekengespräche mit 3.0 Promille. Und bei aller Liebe, hinter dem Bahnhof finde ich auch Junkies, wenn ich sie denn suche. Und auf deren Meinung werde ich sicherlich genauso viel geben. Nämlich nichts.

Und nur weil etwas abgedreht, verrückt und unausgeglichen wirkt, muss es nicht gleich großartig und wertvoll sein. Rostender Schrott ist rostender Schrott und keine Kunst. Butter in der Badewanne im Übrigen in meinen Augen auch nicht, aber jedem das Seine.

Jetzt kann man mir natürlich vorwerfen, dass ich bei all der Kritik den überbordenden Unterhaltungsfaktor außer Acht gelassen hätte. Aber nein, ganz so ist es nicht. Ich habe die „humoristischen“ Anklänge, auf die ich hingewiesen worden bin, wirklich ernsthaft und ganz doll auch gesucht. Leider muss ich sagen, dass ich sie nicht finden konnte. Vielleicht bin ich eine humorlose Person, aber für einen Lacher hat es nicht gereicht, leider nicht einmal für ein Schmunzeln. 

Mag sein, dass man statt einer Sozialkritik so etwas wie das Pendant zu einem Trash-Film erschaffen wollte. So schlecht, dass man lachen muss um nicht zu weinen, aber dafür war der Schreibstil dann doch zu fad und selbst die provokanten Details zu mittelmäßig und die Gesamtgestaltung einfach zu profan.

Fazit:

Im Endeffekt läuft es darauf hinaus, dass ich mit diesen 240 Seiten (bzw. es sind nur 204, der Rest sind Biografie und Anmerkungen) meine Zeit verschwendet habe und zurück bleiben nur ein starkes Fremdschämen und das wage Bedürfnis den Kopf zu schütteln. Vielleicht auch noch die Frage, wann die Zeiten begonnen haben, in denen Menschen angefangen haben, darauf stolz zu sein dass sie wissen, wie sich ein LSD Trip wirklich anfühlt.

Es gibt für mich einfach Dinge, auf die ich grundsätzlich verzichten kann. Ich habe schon genug Laster im Leben. 
Man merkt, dass ich ein bisschen sauer bin und in diesem Verriss zeitweise absichtlich übertreibe. Ich rate dennoch von diesem Buch ab. Es gibt genug wirklich gute moderne Klassiker. 

1 Kommentar:

  1. Sehr unterhaltsame Rezi :D
    Ich kenne weder Film noch Buch und glaub das wird auch so bleiben..

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