Dienstag, 16. Juli 2013

Rezension: Der letzte Wunsch – Geralt Saga 1 von Andrzej Sapkowski

Andrzej Sapkowski
Der letzte Wunsch
DTB (1. Juni 2007)
Taschenbuch
Originaltitel: Ostatnie Zyczenie
ISBN: 978-3423209939
384 Seiten
9,95 Euro

Ein kurzweiliger Kurzgeschichten-Roman mit ambivalenten Charakteren und viel offenem Potential.

Kurzbeschreibung:
Geralt ist Hexer. Er verdient seinen Lebensunterhalt damit, die Welt und die Menschen von Ungeheuern und Monstern zu befreien. Dabei folgt er einem festgeschriebenem Hexer-Codex. Und nicht immer scheint sich ein Problem mit Schwert und Magie lösen zu lassen. Manchmal ist auch gesunder Menschenverstand gefragt. Und manchmal ist nicht alles so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint.

„Der letzte Wunsch“ ist ein Kurzgeschichten-Roman. Die jeweiligen Kurzgeschichten werden durch eine Art Rahmenhandlung mit dem Titel: „Die Stimme der Vernunft“ zusammengehalten. Denn nach der ersten Geschichte muss Geralt sich auf Grund seiner zugezogenen Verletzungen in einem Tempel aufhalten, um zu heilen. Die Rahmenhandlung beschreibt also diesen Aufenthalt und im Zuge der Interaktion mit den Figuren dort erzählt Geralt weitere Geschichten aus seiner Vergangenheit.

Die Kurzgeschichten sind alle sehr unterschiedlich. Bei manchen liegt der Hauptaugenmerk auf der Action und Geralt ist vollkommen involviert. Manchmal liegt der Hauptaspekt aber auch auf der Interaktion der verschiedenen Figuren und Geralt wirkt nur peripher in das Geschehen eingebunden. Manchmal kommt es einem sogar so vor, als sei der Hexer selbst gar nicht an der Lösung des Problems beteiligt, oder eben nur wage am Rand.
Manche dieser Geschichten haben einen philosophischen Hintergrund und regen zum Nachdenken an. Andere Geschichten basieren locker auf den bekannten Märchen der Gebrüder Grimm. Da ist es interessant zu beobachten, auf welche Weise der Autor den bekannten Stoff verdreht und zu etwas Neuem formt.

Die Figur des Hexers Geralt sagt mir sehr zu. Geralt wirkt geheimnisvoll und düster, da der Leser erst nach und nach von seiner Vergangenheit und seiner Einstellung erfährt. Da dies bröckchenweise geschieht, liegt hier ein ganzer Teil der Spannung begraben. Auch in der Kommunikation wirkt Geralt eher distanziert und ruhig. Meistens bleibt er gelassen und aus diesem Verhalten entsteht einiges an Humor. Er lässt sich nicht so schnell aus der Reserve locken und bietet so ziemlich jedem die Stirn.
Sein bester Freund, der trinkende Dichter mit dem Namen Rittersporn, der erst gegen Ende des Buches eingeführt wird, geht mir dagegen gehörig auf die Nerven. Er hat eine große Klappe – wie man so schön sagt – und die Szenen mit ihm, sind nicht lustig und entlocken mir allerhöchstens zwischendurch ein müdes Lächeln. Außer in der letzten Geschichte, wo er der Grund des Geschehens ist, ist er in meinen Augen zu nichts zu gebrauchen. Eher im Gegenteil. Sein Verhalten bringt Geralt in noch mehr Schwierigkeiten.
Die gute Yennifer – man könnte sagen – Geralts Nemesis – wird erst in der allerletzten Geschichte als Figur eingeführt und war mir erst ein Mal gehörig unsympathisch. Generell stört mich auch, dass „Der letzte Wunsch“ - so der Titel der Geschichte- nie wortwörtlich wiedergegeben wird. Der Leser kann nur raten oder ahnen, was genau geschehen ist. Aus diesem Grund wird mir diese Anziehungskraft zwischen der Zauberin und dem Hexer nie so wirklich klar. Ich tappe da arg im Dunkeln und das stört mich gewaltig. (Im Grunde ärgert es mich sowieso, dass jeder „coole“ Charakter in einem Buch – egal wie distanziert und kühl er wirkt immer! Irgendeiner Frau hinterher hängt, die er aus den unterschiedlichsten Gründen nicht bekommen kann. Das ist nicht nur in diesem Buch so.)
Die Nebenfiguren sind dagegen teilweise ganz interessant. Der verzauberte Gaunerjunge, der sich junge Damen hält, in einer der ersten Geschichten, gefiel mir ausnehmend gut. Er hatte etwas philosophisches und tragisches an sich. Auch Torque, der listige Teufel sorgte für viel Witz und Charme. Dagegen könnte man fast meinen, dass der Autor ein Problem mit der Obrigkeit hat. Denn Herrscherpersonen oder Wächter etc. werden oft arrogant, stolz und vorurteilsbelastet beschrieben. Aber vielleicht ist das auch nur ein Kniff des Autors.

Über das Magiesystem erfährt man auch nur nach und nach etwas. Dennoch wirken die wenigen Dinge, die man erfährt sehr interessant. Gerne hätte ich mehr über Geralts „Entstehung“ erfahren, oder über die Zeichen, die er zum Zaubern nutzt. Doch im Großen und Ganzen bekommt der Leser immer und immer mehr Informationen, die er – so er denn gewillt ist – zusammen setzen kann.

Der Schreibstil wirkt stellenweise etwas altbacken. Manchmal nutzen die Charaktere Wendungen, die so nicht nötig gewesen wäre, dann wirkt ihre Sprechweise gestelzt oder gewollt. Aber auch das kann ein Versuch des Autors sein, dem Leser deutlich zu machen, dass es sich hier nicht um einen Gegenwartsroman handelt.
Dennoch störte mich dieser Stil stellenweise und mein Lesefluss kam ins Stocken.

Fazit:
Grundsätzlich handelt es sich hier dennoch um einen kurzweiligen Kurzgeschichten-Roman, in dem zumindest alle Geschichten miteinander verbunden sind und nicht lose nebeneinander stehen. Nicht alle Charaktere sind erträglich, aber durch die absolut interessante Figur des Geralt und das facettenreiche Magiesystem lassen sich die meisten Geschichten mit Spannung lesen.

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